Urlaub – Anpassung an klimatische Reizfaktoren

Viele leben lange Zeit des Jahres am gleichen Ort in einer von der Landschaft unterschiedlich geprägten Klimazone vorwiegend in geschlossenen, immer mit gleicher Temperatur geheizten / klimatisierten Räumen mit Kunstlicht und individueller „Behaglichkeit“, d.h. klimatisch geschützt. Die körperliche Belastung durch Kälte, Wärme, Bewegung ist eingeschränkt. Der zeitliche Tagesablauf ist der Umgebung weitgehend angepasst. Im Urlaub werden die häuslichen Schonräume verlassen.
Meist erfolgt ein Ortswechsel in einen klimatisch anderen Bereich, den man nach einer oft anstrengenden Reise erreicht. Der Tagesablauf wird der neuen Umgebung angepasst, möglicherweise wird auch die körperliche Belastung durch verminderte oder vermehrte Aktivität verändert. Hierdurch entstehen vorübergehend ungewohnte Belastungsformen, sog. Reizfaktoren auf den Körper (und die Psyche).

Reizfaktoren

Folgende Reizfaktoren sind von Bedeutung

  • Ortswechsel
  • veränderter Tagesablauf
  • veränderte körperliche Bewegung
  • Wind (Stärke, Temperatur und Dauer)
  • Temperatur (heiß, kalt)
  • Höhenunterschiede zum Wohnort
  • Reinheitsgrad der Luft
  • Sonneneinstrahlung (Intensität, Dauer und Temperatur)
  • Sonnenreflexion (z.B. am Wasser)
  • Aerosole: Brandung (an der Nordsee: stark, an der Ostsee: geringer), Pollen (an der See gering, im Mittelgebirge und im Gebirge stark).

Jede Klimazone hat je nach Jahreszeit unterschiedlich intensive Reizfaktoren. Während eines längeren Aufenthaltes an einem Ort passt sich der Körper den Reizfaktoren am Urlaubsort an. Diese Anpassungsreaktion macht einen wesentlichen Teil der Erholung aus. Reizfaktoren sind deshalb grundsätzlich positiv zu werten.
Bei schlechtem Gesundheitszustand oder geringer körperlicher Belastbarkeit ist eine vorsichtige Anpassung an die Reizfaktoren am Urlaubsort erforderlich, um gesundheitlichen Nachteilen (fieberhaften Erkrankungen des Nasen-Rachenraumes und der Lunge, Flüssigkeitsverlust, Störungen der Befindlichkeit, wie Reizbarkeit, Müdigkeit) vorzubeugen. An unbedeckten Hautstellen können bei Sonnenbestrahlung unbemerkt unterschiedlich starke Verbrennungen der Haut entstehen. Deshalb darf die Haut vor allem in den ersten Tagen nicht unbedeckt der Sonne ausgesetzt sondern muss durch Lichtschutzemulsionen mit hohem Lichtschutzfaktor beschützt werden.

Art und Dauer der Anpassung richten sich 

  • nach den Reizfaktoren zu Hause vor Beginn des Urlaubs

  • nach der Intensität der Reizfaktoren am Urlaubsort

    Bei starken klimatischen Unterschieden muss eine allmähliche Anpassung gewährleistet werden. Dies ist möglich durch die Wahl der Kleidung und die tägliche, allmählich zunehmende Dauer, mit der man sich den Reizfaktoren am Urlaubsort aussetzt.

Hierbei gelten die Regeln: 

  • Gehen Sie gesund in den Urlaub, lassen Sie bestehende Krankheiten vor dem Urlaub behandeln
  • Nehmen Sie die häufig verwendeten Medikamente mit in Urlaub
  • Beginnen Sie mit einer vorsichtigen (stundenweisen) Belastung durch die Reizfaktoren für die Dauer von 2-3 Tagen
  • Steigern Sie dann die Belastung innerhalb von weiteren 3-4 Tagen zügig

Sprechen Sie vor dem Urlaub mit Ihrem Arzt über 

  • die aktuellen Reizfaktoren am Urlaubsort (die dem Klimakalender zu entnehmen sind, der dem Deutschen Bäderkalender beiliegt + Wetterbericht im Internet)

  • die aktuelle Belastbarkeit

  • über evtl. Vorsorgemaßnahmen vor Ort bei akuten Krankheiten

Bereiten Sie den Urlaub gut vor (vgl. Anleitung: Urlaubs-Checkliste und Urlaubs-Checkliste für Babys) und: Brechen Sie nicht gleich den Urlaub ab, wenn Zeichen der Überlastung auftreten, sondern rufen Sie zunächst einmal bei Ihrem Hausarzt an und beraten Sie mit ihm, wie Sie sich verhalten sollen.

Rücktransport

Sollte ein Rücktransport notwendig werden, finden Sie entsprechende Hinweise über Möglichkeiten und Ansprechpartner in der Anleitung: Urlaubs-Checkliste.

 

Literatur

Deutscher Bäderkalender, Flöttmann-Verlag Gütersloh 1995 und spätere Ausgaben.
Haeberlein, C; Goeters, W.: Grundlagen der Meeresheilkunde. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 1954.
Hellbrügge, T. (Hrsg.): Kinderkuren und Kinderheilverfahren. Hansisches Verlagskontor Lübeck, 1988.
Scholling, Werner: Hochgebirgsklima. Gustav Fischer-Verlag, 1976
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