Urinuntersuchung mit Teststreifen

Teststreifen / Teststäbchen

sind streifenförmige Kunststoffträger mit aufgebrachten Reaktionsfeldern zum chemischen Nachweis von Bestandteilen und Veränderungen (z.B.) im Urin. Teststreifen sind nicht rezeptpflichtig, aber verordnungsfähig (sie belasten das ärztliche Medikamentenbudget). Teststäbchen sind nur beschränkt haltbar, das Verfallsdatum ist deshalb zu beachten.

Urinuntersuchung

Nur frisch gewonnenen (in der Regel Morgen-) Urin sofort untersuchen (vgl. Anleitungen: Gewinnung von Urin, Gewinnung von keimfreiem Urin).

Ausführung

  • Urin sofort untersuchen
  • Teststäbchen kurz (d.h. nicht länger als 1 Sekunde) in den Urin tauchen.
  • Seitliche Kanten des Teststäbchens und überschüssige Urintropfen an einem sauberen Tupfer / Vliespapier abstreifen.
  • Die Färbung des Teststreifens spätestens nach 30-60 Sekunden mit dem Farbmuster auf dem Teststreifen-Behälter vergleichen.

Nachweise

Nitrit

Stoffwechselprodukt einiger (nicht aller!) wichtiger Bakterien, die Nitrit bilden und Harnwegsinfektionen verursachen.

Beurteilung
Bereits die Anwesenheit geringer Mengen Nitrit im Urin verfärbt den Test rosa; eine stärkere Rotfärbung weist auf eine stärkere Infektion mit Nitrit-bildenden Bakterien* hin. Diese Bakterien können aus den Harnwegen (Harnröhre, Harnblase, Nieren) stammen, aber auch durch eine äußere Verunreinigung oder Hautentzündung in den Urin gelangen. Bei einem auffälligen Testergebnis sollte deshalb der Urin keimfrei gewonnen werden (vgl. hierzu die Anleitung: Gewinnung von keimfreiem Urin bei Mädchen/ bei Jungen).

Falsch positive Testergebnisse
Jeder Nitrit-Test verfärbt sich nach längerem Liegen rosa, weshalb das Ablesen des Tests innerhalb von 30-60 Sekunden erforderlich ist.
Medikamente, die den Harn oder den Teststreifen rot verfärben, täuschen ein positives Ergebnis vor.

Negatives Testergebnis / Der Nitrit-Test verfärbt sich nicht.
Mögliche Ursachen

  • Im Urin befinden sich keine Nitrit-bildenden Bakterien*
  • Der Harn ist durch viel Trinken und häufige Harnblasenentleerung so stark verdünnt, dass die Konzentration von Nitrit unterhalb der Nachweisgrenze liegt.
  • Die Harnblase wird in sehr kurzen Abständen (< 3 Stunden) entleert.
  • Antibiotika oder Chemotherapeutika wurden nicht 3 Tage vor der Urinuntersuchung abgesetzt. Eine Wiederholung der Untersuchung ist angezeigt.
  • Einnahme von Medikamenten, die den Urin ansäuern: z.B. Acimethin ®, Ascorbinsäure (Vitamin C) u.a.; Wiederholung der Urinuntersuchung 10-12 Stunden nach Absetzen ansäuernder Medikamente.
  • Das Verfallsdatum der Teststreifen ist überschritten.

* Nitrit-bildende Bakterien: z.B. Escherischia coli, Proteus, Citrobacter, Aerobakter, zum Teil auch: Staphylokokken, Enterokokken, Pseudomonas.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Weiße Blutkörperchen sind bei Entzündungen und (z.B. durch das Legen von Kathetern hervorgerufene) Reizungen der Schleimhäute von Nieren, Harnblase und Harnröhre, aber auch bei äußeren Verunreinigungen nachweisbar. Die Anwesenheit von Leukozyten verfärbt das Testfeld für Leukozyten auf dem Teststreifen blau. Das Ablesen des Teststreifens muss nach 60-120 Sekunden erfolgen.

Beurteilung

  • Keine Verfärbung = Normalbefund.
  • Jede Blauverfärbung zeigt die Anwesenheit von Leukozyten an.
  • bis zu 10 Leukozyten (pro Mikroliter): Bewertung: unauffälliger Befund.
  • 10-20 Leukozyten: schwachblaue Verfärbung; Bewertung: kontrollbedürftiger Befund.Wiederholung der Untersuchung nach Gewinnung von keimfreiem Urin (vgl. Anleitung für Mädchen/ für Jungen).
  • mehr als 20 Leukozyten: hellblaue bis tiefblaue Verfärbung; Bewertung: krankhafter Befund. Erweiterte mikroskopische und/oder bakteriologische Urinuntersuchung. Vgl. auch die Anleitungen: Vorgehen bei symptomfreien Bakterienausscheidungen, Vorgehen bei fieberhaften Harnwegsinfektionen.

Zu beachten ist, dass die Vergleichsfarben die kleinste Zahl von Leukozyten angeben. Bei hellblauer und tiefblauer Verfärbung kann der Urin „massenhaft” Leukozyten enthalten. Die genaue Zahl der Leukozyten kann nur mikroskopisch bestimmt werden.

Falsch positive Befunde
entstehen durch Verunreinigungen, Reizungen und entzündliche Veränderungen an der Haut, weshalb der Urin stets keimfrei gewonnen werden soll.

Falsch negative Befunde können entstehen

  •  wenn der Urin nicht sofort untersucht wird
  • durch eine hohe Eiweißausscheidung (ab etwa 500 mg/dl)
  • durch erhöhte Ausscheidung von Ascorbinsäure
  • durch Harnkonservierungsmittel.

pH-Wert

Der pH-Wert gibt den Säuerungsgrad im Urin an. Im sauren Urin (d.h. bei einem pH-Wert zwischen 5 und 6) wird das Wachstum von Bakterien gehemmt und damit die Entwicklung von Harnwegsinfektionen unterdrückt. Der pH-Wert lässt sich durch Medikamente beeinflussen (Ansäuern des Urins) und sollte auf einen Wert zwischen 5 und 6 eingestellt sein.

Beurteilung
Der Teststreifen verfärbt sich abhängig vom Säuerungsgrad farblich unterschiedlich von rot bis blau.

Azeton / Keton

Azeton / Keton ist ein Stoffwechselprodukt, das z.B. bei nicht ausreichender Flüssigkeitsaufnahme oder stärkerem Flüssigkeitsverlust (z.B. bei Erbrechen, Durchfall, Fieber) nachzuweisen ist.

Beurteilung
Das Testfeld verfärbt sich bei steigendem Azeton im Urin zunehmend blau bis lila.

Eiweiß (Protein)

Eiweiß lässt sich bei allen Nierenkrankheiten und Harnwegsentzündungen im Urin vermehrt nachweisen, ist aber auch bei längerem Sitzen und Stehen erhöht. Morgens (d.h. nach längerem Liegen) sollte der Urin eiweißfrei sein. Eine krankhaft erhöhte Eiweißausscheidung im Harn ist Kennzeichen von Harnwegsentzündungen (in Verbindung mit einer erhöhten Leukozytenzahl).

Beurteilung
Bei zunehmendem Eiweißgehalt färbt sich der Teststreifen zunehmend grün.

Blut / Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Rote Blutkörperchen sind normalerweise im Urin nicht nachzuweisen. Auch geringe Zahlen von roten Blutkörperchen im Urin (Mikrohämaturie) sind krankhaft. Der Blutnachweis ist als Einzeltest (Sangur ®) oder in Kombination mit anderen Tests auf einem Streifen möglich. Teststäbchen erlauben jedoch nur eine orientierende Bestimmung der Anzahl der roten Blutkörperchen. Die genaue Zahl ist nur mit dem Mikroskop in einer Zählkammer zu ermitteln.

Mögliche Ursachen

  • • Durch mechanische Verletzung oder Reizung (z.B. durch das Katheterisieren) kann es zu einer Beimengung geringer Blutmengen (Mikrohämaturie) im Urin kommen.
  • Stärkere Harnwegsinfektionen können mit Ursache einer Blutbeimengung im Urin sein.
  • Steinbildungen in den Harnwegen geben sich an unterschiedlich großen Blutbeimengungen im Urin zu erkennen.
  • Bei einer Hirnwasserableitung in das Herz (ventrikulo-atrialer Shunt) kann eine Nierenentzündung (sog. Shuntnephritis) auftreten, die im Urin durch eine Vermehrung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Eiweiß (Protein) nachzuweisen ist.

Beurteilung
Bei blutigem Urin verfärbt sich das Teststäbchen blau.

Hämoglobin

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) können durch besondere Zusammensetzungen des Urins zerfallen. Es entsteht Hämoglobin, das mit einem speziellen Teststreifen (z.B. Combur 10) nachzuweisen ist.

Auswahl (!) von handelsüblichen Teststreifen

Combur 5 + Leuko ® (Boehringer, Mannheim)
Nachweis von Glukose, Leukozyten, Nitrit, Eiweiß, Urobilinogen, Blut.

Combur 6 ® (Boehringer, Mannheim)
Nicht mehr im Handel.

Combur 9 ® (Boehringer, Mannheim)
Nachweis von Leukozyten, Nitrit, pH, Eiweiß, Glukose, Keton, Urobilinogen, Bilirubin, Blut, Hämoglobin.

Combur 10 ® (Boehringer, Mannheim)
Nachweis von Dichte, pH, Leukozyten, Nitrit, Eiweiß, Glukose, Keton, Urobilinogen, Bilirubin, Blut, Haemoglobin.

Cytur ® (Boehringer, Mannheim)
Nachweis von Leukozyten.

HM-Test ® (Roche)
Nachweis von Glukose, Leukozyten, Nitrit, Eiweiß, Blut. Human-Test

Combina 10 M ® (Human GmbH, Wiesbaden)
Nachweis von spezifischem Gewicht, Nitrit, pH, Eiweiß, Glukose, Keton, Urobilinogen, Bilirubin, Leukozyten, Blut, Hämoglobin.

Ratio ® (Roche)
Nachweis von Nitrit, Glukose.

Keto-Diabo
Nachweis von Keton.

Nitur ® (Boehringer, Mannheim)
Nachweis von Nitrit.

Nephur ® (Boehringer, Mannheim)
Nachweis von pH, weißen Blutkörperchen (Leukozyten), Nitrit, Eiweiß, roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Glukose.

Rapignost ® (Imaco)
Nachweis von pH, Leukozyten, Nitrit, Blut, Eiweiß, Ascorbinsäure, Glukose, Keton, Urobilinogen, Bilirubin.

Rapignost Basis-Screen L ® (Imaco)
Nachweis von: pH, Leukozyten, Nitrit, Blut, Protein (Albumin), Ascorbinsäure, Glukose.

Sangur ® (Boehringer Mannheim)
Nachweis von: Blut (rote Blutkörperchen = Erythrozyten).

Uriscan ® (Yengdong)
Nachweis von: Glukose, pH, Nitrit, Eiweiß, Blut, Keton, Urobilinogen, Bilirubin, Glukose.

Dem „Wunschteststäbchen” zur Urinuntersuchung bei neurogenen Blasenfunktionsstörungen am nächsten kommt der Nephur-Teststreifen. Ihm fehlt der Azeton-Nachweis, was mit der zusätzlichen Verwendung von Keto-Diabo ausgeglichen werden kann.

 

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