Schlitzventrikel

Abnorme Verengung – meist einer aber auch beider – großen Hirnkammern (I und II Ventrikel)

Ursachen:

Durch länger anhaltende Überdrainage von Hirnwasser durch
a) bei zu niedrig gewählter Druckstufe eines Ventils oder
b) durch fehlenden (oder unzureichend funktionierenden) Antisogschutz (Antisiphon) bei Hirnwasserableitungen in den Bauchraum verengen sich die großen Hirnkammern (Ventrikel I und/oder II). Hierdurch legen sich die Wände der Hirnkammern an den zentralen Shuntkatheter an und verschließen zunehmend (je nach Grad des Syndroms) die Abflusslöcher des Katheters (>> Hirnwasserableitung – Bestandteile). [image]

Schlitzventrikel“syndrom“: [image]

Krankhafte Symptome, die durch Schlitzventrikel verursacht werden.

Formen/ Grade:

Phase/Grad 1. Kompensationsphase:
Kennzeichen: Trotz Verengung der Hirnkammer ist der Abfluss des Hirnwassers möglich.

a) Nur ein Teil der Abflusslöcher des zentralen Shuntkatheters verschließen sich, einige bleiben jedoch offen. Hierdurch ist ein ausreichendes Abfließen des Hirnwassers gewährleistet. Krankhafte Symptome treten nicht auf.
b) Bei vollständiger Verlegung des zentralen Katheters kann bei Säuglingen mit einem überdurchschnittlichen Kopfwachstum, mit einem Sonnenuntergangsphänomen oder anderen auffälligen Symptomen verbunden sein (>> Hirndruckzeichen beim Säugling).
c) Weiter Folgen: vgl. Überdrainage.                                    

Ansaugphase: a) bei aufrechter Körperhaltung, b) im Liegen   Alle Abbildungen nach [Huber]

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Phase/Grad 2:

Ansaugphase mit intermittierender Blockade:
Kennzeichen: Phasen von Hirnüberdruck wechseln mit symptomfreien Zeiten. Es besteht also nur zeitweise (intermittierend) eine Blockade des Hirnwasserabflusses.
Ursache: In aufrechter Körperhaltung fallen die Wände der Hirnkammer, in der zentrale Katheter liegt, zu einem Schlitz zusammen und verlegen die Abflusslöcher. Das ständig produzierte Hirnwasser staut sich in der Hirnkammer und weitet diese allmählich auf. Hierdurch treten alterstypische Hirndruckzeichen (vgl. >> Hirndruckzeichen – Übersicht) auf. Die Symptome lassen nach und verschwinden, wenn das Hirnwasser wieder abfließen kann.
Diagnose: Weil die meisten diagnostischen Verfahren (Ultraschall, CT, MRT) im Liegen ausgeführt werden, ist der Sog zum Untersuchungszeitpunkt aufgehoben und die krankhafte Drückerhöhung bereits wieder ausgeglichen, die Ventrikelerweiterung schon wieder rückläufig („normalisiert“) und der Patient beschwerdefrei.

Phase/Grad 3:

Nicht umkehrbare (irreversible) Blockade:
Kennzeichen: Durch das wiederholte Ansaugen des Ventrikelkatheters an die Wand der Hirnkammer entstehen
a) Reizungen und Verletzungen der Auskleidung (Ependym) der Hirnkammerwand. Diese können in den Katheter einwachsen und schließlich das Abfließen des Hirnwassers vollständig verhindern,
b) fällt die Hirnkammer zu einem schmalen Schlitz zusammen.
Folge: Hirnüberdruckkrisen häufen sich,  Shuntrevisionen ergeben keine wesentlich Besserung. Bei mangelnder Dehnbarkeit (Compliance) des Gehirns reichen schon wenige ml neu gebildetem Hirnwasser aus, um Hirndruckkrisen auszulösen.
Vorbeugende Maßnahmen:
a) Verwenden von Ventiltypen, bei denen ein Antisogschutz (Antisiphon) Bestandteil des Ventils ist (vgl. >> Hirnwasserableitung – Bestandteile );
b) Verwenden von Ventiltypen, bei denen unterschiedliche Druckstufen von außen eingestellt werden können;
c) nachträglicher Einbau von druckregulierenden Elementen (Shuntassistent, Antisiphon), die dazu beitragen, eine Überdrainage und damit die Entstehung von Schlitzventrikeln vermeiden.
Wegen nicht erkennbarer Ursache werden Beschwerden durch Schlitzventrikel leicht als „psychogen“ bezeichnet und abgetan. Die Angaben des Patienten/ der Eltern müssen immer Anlass einer sorgfältigen Abklärung sein.

 

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