Körperpflege des Kindes – Waschen, Baden, Duschen

Waschen und Körperpflege des Oberkörpers :

Sobald das Kind dazu in der Lage ist, soll es die Körperpflege der erreichbaren Körperteile selbst übernehmen: waschen, z.B. Hände, Gesicht, Arme, Oberkörper, Zähne putzen, usw.

Dazu muss es

  • das Waschbecken erreichen
  • die Armatur erreichen und bedienen können
  • die benötigten Arbeitsmaterialien müssen bereitgelegt werden und erreichbar sein (Seife, Waschlappen, Handtuch, Zahnbürste, Zahncreme, Kamm, Gesichtscreme, usw.)
  • sich im Spiegel sehen können

Im Folgenden wird aufgezeigt, welche Hilfestellungen dazu nötig und möglich sind.
Dabei ist immer von der augenblicklichen Wohnsituation der Familie auszugehen und im Wohnbereich nach individuellen Möglichkeiten und Hilfestellungen zu suchen.

Erreichen des Waschbeckens

Im bestehenden Badezimmer: einen Stuhl (evtl. mit dickerem Kissen) vor das Waschbecken stellen.
Kann das Kind sich nicht alleine auf den Stuhl setzen/ziehen/ krabbeln und müssen Sie es heben, sollten Sie schon sehr früh überlegen, wie das Kind dies alleine schaffen könnte.
Wenn es der Platz im Bad ermöglicht, sollte man aus festen Schaumstoffkissen oder Holzkisten eine stabile Treppe bauen, so dass das Kind nach und nach den Höhenunterschied meistern kann.
Hat das Kind einen Rollstuhl, ist zu überlegen, ob man ein höhenverstellbares Waschbecken (Finanzierung über Pflegeversicherung) installiert.
Gibt es zwei Waschbecken oder ein Gäste-WC kann auch das vorhandene Waschbecken tiefer gesetzt werden.
Ist das Erreichen des Waschbeckens nicht möglich (weil das Bad zu klein ist für einen Rollstuhl, kein Platz für einen Stuhl besteht usw.) muss in der Küche an der Spüle oder auf einem Tisch mit Waschschüssel eine Übergangslösung angestrebt werden. Hier ist auf Dauer dringend eine andere Lösung ( z.B. Umzug ) zu suchen.

Die Armatur erreichen und bedienen können

Für das kleinere Kind oder ältere Kind im Rollstuhl ist aufgrund der zu geringen Armlänge, die Armatur nicht erreichbar. Hier ist u.A. Abhilfe zu schaffen, indem

  • ein kleineres Waschbecken übergangsweise installiert wird
  • eine andere Armatur angebracht wird, die vom Kind bedient werden kann.

Kann die Armatur aufgrund feinmotorischer Schwierigkeiten noch nicht/ständig nicht bedient werden, sollte man eine einfachere (z.B. Einhandbatterie ohne auf- und zuzudrehen) installieren. Die Baumärkte oder der Sanitärfachhandel informieren hierüber.

Arbeitsmaterialien bereitlegen

Für das Kind ist es wichtig, alle zum Waschen notwendigen Utensilien (Seife, Zahnputzbecher, -bürste, -creme, Waschlappen, Handtuch, Kamm, Gesichtscreme, usw.) so erreichbar zu haben, dass es niemanden beim Waschen um Hilfe bitten muss.
Richten Sie daher mit dem Kind gemeinsam einen Platz ein, an dem es die Sachen hinlegen und liegen lassen kann.
Ist dies aus Platzgründen nicht möglich kann sich das Kind vielleicht ein Körbchen richten mit allen benötigten Sachen.

Spiegel

Es ist wichtig, dass das Kind sich bei der Pflege selbst sehen kann. Daher sollten Sie einen Spiegel so anbringen, dass das Kind sich selbst sieht. Dafür können Sie

  • ihren vorhandenen Spiegel tiefer hängen
  • einen kippbaren Spiegel anbringen
  • eine größere Spiegelfliese an die Wand kleben.

Alle diese Schritte sollten Sie nach und nach, immer dem jeweiligen Entwicklungsschritt und Lernschritt des Kindes angepasst, einüben. Was erlernt ist und selbstständig ausgeführt werden kann, sollte nicht wieder übernommen werden. (Ausnahmen : z.B. Krankheit oder wenn es schnell gehen muss).

Waschen und Körperpflege des Unterkörpers

Je nach motorischer Beeinträchtigung und in Abhängigkeit zur vorhandenen Selbstständigkeit sollte das Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten schrittweise an die Pflege/das Waschen des Unterkörpers herangeführt werden. Das Waschen des Intimbereiches sollte mehrmals täglich beim Windelwechsel erfolgen, mindestens 1 x täglich; auf jeden Fall nach Stuhlentleerung.
Da der Windelwechsel meist im Liegen auf einer Liege/Bett/Unterlage erfolgt, kann das Waschen auch nur hier erfolgen.
Voraussetzungen für das selbstständige Waschen des Genital- und Afterbereiches ist das selbständige Umsetzen und der selbständige Windelwechsel (siehe Windelwechsel).

Zum Waschen ist es nötig, sich alle Materialien bereitzustellen:

  • Unterlage  (wasserfeste zum Waschen oder Einmalunterlage)
  • Handtuch zum Abtrocknen
  • Eimerchen mit breitem Durchmesser, da dieser nicht so leicht umfällt und vom Kind besser von der Wasserstelle zum Pflegeplatz transportiert werden kann
  • Waschlappen´
  • Waschlotion, Seife, Waschzusatz (laut Verordnung des Arztes)
  • evtl. Fön

Durchführung 

  • Unterlage bereitlegen
  • Waschlappen und Handtuch bereitlegen
  • Eimerchen mit körperwarmen Wasser halb füllen und zum Pflegeplatz transportieren
    (das Kind im Rollstuhl stellt den halbvollen Eimer auf seine Knie, das Kind, welches krabbelt, schiebt den Eimer neben und vor sich auf dem Boden zum Platz, das Läuferkind trägt den Eimer)
  • Waschlotion, Waschzusatz ins Wasser geben und den Waschlappen in der Waschlösung anfeuchten oder Seife auf den nassen Waschlappen geben
  • entkleiden, Vorlage/Windel ablegen
  • Intimbereich mehrmals abwaschen. Dies geschieht z.B. im Sitzen, indem zuerst der Bereich des Unterbauchs und der Harnröhrenöffnung und dann im seitlichen Liegen der Bereich um den After gewaschen werden

Dabei darauf achten,

  • dass von vorne nach hinten gewischt wird, von der Harnröhre zum After
  • die Hautfalten in den Leisten besonders gründlich gereinigt werden, da hier oft durch bestehende Kontrakturen die Hautflächen aufeinander liegen und Urin und Stuhlgang die Haut angreifen
  • mit dem Handtuch sehr gründlich abtrocknen, gerade in den Leisten sollte die Haut trocken sein
  • evtl. sollten diese Stellen trocken gefönt werden. Beim Fönen von empfindungsgestörten Hautpartien ist immer Vorsicht! geboten. Da die Hitze nicht gespürt wird, kann es zu Verbrennungen kommen. Daher sollte beim Fönen immer eine Hand an der Stelle liegen, die getrocknet wird, um die Hitze zu spüren.
  • evtl. Hautpflegemittel auftragen
  • anziehen
  • benötigte Materialien entsorgen/wegräumen

Wie das selbstständige Waschen des Unterkörpers im Einzelnen möglich ist, sollte ausprobiert werden. Hilfreich ist hier das Aufzeigen verschiedener Möglichkeiten, Tricks, Tipps  und Beratung und Vorstellung vielseitiger Hilfsmittel (Lagerungskissen, Beinspreizer, usw.)
Gerade bei diesen Fragestellungen ist der Austausch der Eltern, Erfahrungen der Kinder/Jugendlichen „Wie machen das denn andere?“ und Anregungen von in der Pflege erfahrenen Fachleuten ganz wichtig. Fragen Sie nach Hilfe, wenn Sie alleine nicht weiterkommen. Oftmals ist das Erlernen dieser Fertigkeiten für Kinder/Jugendliche leichter mit einer fremden Person.

Erlernen des selbständigen Duschens/ Badens

Voraussetzungen: 

  • Fähigkeit sich ohne Hilfe zu entkleiden
  • geeignete Hilfsmittel (z.B. Haltegriffe, rutschfeste Matte, Duschsitz, Duschrollstuhl, Badewannenlifter, Waschhilfen usw.)
  • gesicherte Kontrolle der Wassertemperatur (evtl. mit technischer Hilfe)
  • Fähigkeit alle Körperteile zum Waschen und zum Abtrocknen zu erreichen (evtl. mit Hilfsmitteln)

Vorbereitungen:

Läufer und Rollstuhlfahrer brauchen unterschiedliche Hilfsmittel und Anleitungen. Ausschlaggebend bei beiden Personengruppen sind zuallererst die räumlichen Gegebenheiten im vorhandenen Badezimmer.
Das Duschen/Baden kann in einer separaten Duschkabine mit Wanne, in der vorhandenen Badewanne oder in einer ebenerdigen, auch mit dem Rollstuhl befahrbaren Dusche erfolgen.

Hilfsmittel:

Diese müssen nach Beratung und evtl. Hausbesuch, den Bedürfnissen des Einzelnen angepasst, verordnet und angebracht werden. Oftmals übernehmen Kranken- oder Pflegekasse die Anschaffungskosten. Im Folgenden wird eine Auswahl der möglichen Hilfsmittel aufgeführt.

LäuferInnen:

  • rutschfeste Matten in der Wanne und vor der Wanne
  • Haltegriff/e
  • Duschsitz (fest oder zum Wegklappen) oder
  • Badewannenlifter für Badewanne
  • bedienerfreundliche Armaturen
  • Temperaturregelung des Wassers (elektronisch geregelter Durchlauferhitzer bzw. Temperatureinstellung an der Armatur; Information in Sanitärhandel)

RollstuhlfahrerInnen:

  • Badewannenlifter (verordnungsfähiges Hilfsmittel) oder
  • Duschsitz (fest oder zum Wegklappen)
  • Haltegriff/e
  • evtl.Galgen/Leiter zum Hochziehen/Festhalten
  • bedienerfreundliche Armaturen
  • Temperaturregelung des Wassers
  • evtl. Duschrollstuhl

Bereitstellung der benötigten Materialien : 

  • Duschlotion oder Seife
  • Haarpflegeprodukte
  • Waschlappen, Schwamm oder verlängerte Waschhilfen
  • Handtücher
  • evtl. Unterlage zum Hinsetzen beim Abtrocknen
  • Fön

Durchführung: 

1) LäuferInnen :

Rutschfeste Matten auslegen: vor der Dusche/Badewanne hinlegen und in die
Dusche/Wanne, um ein Ausrutschen beim Ein- und Ausstieg und beim Duschen zu vermeiden
Entkleiden: kann im Badezimmer auf einem Stuhl oder auf einer Unterlage/ Badetuch
erfolgen
Einsteigen in die Wanne: an den angebrachten Haltegriffen festhalten und in die Wanne treten
Im Stehen duschen: ist ein Stehen ohne Festhalten möglich, kann jetzt das Duschen erfolgen.
Duschsitz: ist das Stehen unsicher oder muss ständig ausbalanciert werden oder eine Hand wird ständig zum Festhalten benötigt, ist das Duschen ohne eine Sitzgelegenheit nicht möglich. Hier muss ein fester oder wegklappbarer Duschsitz installiert werden. Jetzt kann im Sitzen das Duschen erfolgen. Dabei sollte durch Verlagerung des Gewichtes auf eine Seite des Unterkörpers das Waschen des Intimbereiches zuerst auf einer Seite und dann auf der anderen Seite erfolgen. Zum Verlagern des Gewichtes wird der Haltegriff benutzt. Eine Hand hält dabei den Haltegriff fest, stützt ab und balanciert aus, die andere Hand wäscht.
Badewannenlifter: in der Badewanne auf den Lifter setzen und nach unten fahren, duschen, danach hinauffahren, hinstellen und aussteigen
Wasser anstellen: die Armatur muss von der Höhe her erreichbar sein und bedienerfreundlich sein. Die Heißwasserregulierung sollte einstellbar sein, damit es zu keinen Verbrennungen an den sensibel gestörten Hautpartien kommen kann.
Ausstieg aus der Wanne: an den benötigten Haltegriffen festhalten und aussteigen, dabei auf die rutschfeste Unterlage vor der Wanne  treten.
Abtrocknen: mit bereitgelegten Handtüchern abtrocknen. Es kann sinnvoll sein sich dazu auf einen Stuhl zu setzen, auf den man vorher eine wasserfeste Einmalunterlage gelegt hat. Die Haut sollte sorgfältig getrocknet werden, gerade auch an Stellen, an denen Haut auf Haut liegt (Zehenzwischenräume, Leistenbeugen, Genitalbereich, Achseln, Bauch und Brust). Evtl. sollten diese Stellen trocken geföhnt  werden.
Fönen: Beim Fönen von empfindungsgestörten Hautpartien ist immer Vorsicht! geboten. Da die Hitze nicht gespürt wird, kann es zu Verbrennungen kommen. Daher sollte beim Fönen immer eine Hand an der Stelle liegen, die getrocknet wird, um die Hitze zu spüren. Fönen der Haare

2) RollstuhlfahrerInnen:

Umsetzen : vom eigenen Rollstuhl auf Unterlage/Bett
Entkleiden
Umsetzen auf Rollstuhl:
vorher eine wasserfeste Einmalunterlage auf das Sitzkissen legen
Umsetzen auf Badewannenlifter: Rollstuhl parallel neben die Badewanne fahren, Gesäß umsetzen (evtl. mit Festhalten an einem Galgen/Leiter) auf Lifter, Beine mit Hilfe der Hände nachziehen oder
Umsetzen vom Rollstuhl auf Badewannenlifter: Rollstuhl parallel zur Wanne stellen, mit Gesäß umsetzen
Entkleiden: Kleider so hinlegen, dass sie nicht nass werden
Beine mit den Händen in die Wanne nachziehen dann
Lifter nach unten fahren
Wasser anstellen: die Armatur muss von der Höhe her erreichbar und bedienerfreundlich sein. Die Heißwasserregulierung sollte einstellbar sein, damit es nicht zu Verbrennungen an den sensibel gestörten Hautpartien kommen kann.
Waschen: Rücken: aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit ist dieser Bereich vielleicht nicht zu erreichen, hier kann eine weiche Badebürste mit Stiel oder ein Schwamm mit Stil das Waschen erleichtern oder erst ermöglichen Beine/Füße: waschen wie unter Rücken beschrieben oder heranziehen jedes Beines mit den Händen, eine Hand hält das Bein fest während die andere Hand wäscht,danach langsames zurückführen des Beines in Ausgangsstellung; hier sollte darauf geachtet werden, dass auch die Zehenzwischenräume gewaschen werden
Gesäß: das Körpergewicht auf eine Seite verlagern und so die andere Gesäßhälfte anheben, eine Hand hält sich dabei an einem Haltegriff fest oder stützt sich ab und die andere Hand wäscht den Genital- und Afterbereich und die Gesäßhälfte – dann Seitenwechsel
Baden: der Auftrieb im Wasser kann zu Instabilität führen. Hier kann eine Rücken- und/oder Nackenstütze oder ein Haltegurt um die Brust hilfreich sein
Lifter nach oben fahren
Abtrocknen:
mit bereitgelegten Handtüchern abtrocknen. Die Haut sollte sorgfältig getrocknet werden, gerade auch an Stellen, an denen Haut auf Haut liegt (Zehenzwischenräume, Leistenbeugen, Genitalbereich, Achseln, Bauch und Brust). Evtl. sollten diese Stellen später noch trocken gefönt werden. Beim Fönen von empfindungsgestörten Hautpartien ist immer Vorsicht! geboten. Da die Hitze nicht gespürt wird, kann es zu Verbrennungen kommen. Daher sollte beim Fönen immer eine Hand an der Stelle liegen, die getrocknet wird, um die Hitze zu spüren.
Umsetzen auf Rollstuhl
Umsetzen vom Rollstuhl auf Liege/Bett
evtl. Fönen der Haare noch im Bad oder auf Liege/Bett.
evtl. Hautpflege: eincremen mit Körperlotion oder Hautpflege im Intimbereich
Anziehen

Wenn eine ebenerdig einfahrbare Dusche vorhanden ist, kann das Duschen auch im Duschrollstuhl erfolgen.
Entkleiden: auf der Unterlage/Liege/Bett
Umsetzen auf den eigenen Rollstuhl: wasserfeste Unterlage über das Sitzkissen legen, ins Bad fahren und dort in den bereitstehenden
Duschrollstuhl umsetzen
Einfahren in die Dusche
Duschen:
hier darauf achten, dass auch die Bereiche unterhalb der Sitzfläche gewaschen werden. Dazu wie oben beschrieben das Körpergewicht verlagern, die Armstützen dabei als Haltegriff benutzen.
Herausfahren aus der Dusche
Umsetzen in eigenen Rollstuhl: wasserfeste Unterlage und Handtuch vorher in Rolli legen
Oberkörper abtrocknen
Haare fönen
Umsetzen auf Unterlage:
Unterkörper gründlich abtrocknen, siehe oben
Kleidung anziehen

Hilfreich ist beim Duschen/Baden eine Duschabtrennung, die leicht zu bedienen ist und wirklich das Wasser abhält.

Welche der hier beschriebenen Methoden Sie ausprobieren, mit welchen Sie mit eventuellen Abwandlungen zurechtkommen, hängt von vielen Faktoren ab.
Die körperlichen Einschränkungen können nur zum Teil ändern, das Umfeld am leichtesten. Fragen Sie andere nach ihren Tricks und Tipps und seien Sie selbst erfinderisch!
Für (fast) alle Probleme gibt es eine Lösung! Man muss nur darauf kommen und Verschiedenes ausprobieren.

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