Harnblase: Geschützter Nachtkatheter

Definition

Der geschützte Nachtkatheter wird abends in die Harnblase gelegt und morgens entfernt.

Gründe (Indikationen) für das Legen eines Nachtkatheters:

  • zur Druckentlastung der Harnblase während der Nacht,
  • um einen krankhaft hohen Druck in der Harnblase und damit die Entstehung bzw. die
  • Verstärkung eines Rückflusses (Reflux) von Urin zu vermeiden;
  • zur Vermeidung von Harnwegsinfektionen, die sich während der Nacht entwickeln; hierdurch brauchen Medikamente, die die Harnwege gegen Harnwegsinfektionen während der Nacht schützen sollen, (meist) nicht gegeben zu werden;
  • zum Trockenlegen der Haut bei schweren Hautkomplikationen, die durch unkontrollierte Urinausscheidung (mit) verursacht werden, z.B. schwer zu behandelnden Pilzinfektionen, bakteriellen Hautinfektionen, chronischen (offenen) Hautreizungen (Reizakanthose) u.a.

Schutz des offenen Katheterendes

Um eine Verschmutzung des trichterförmigen Endes des Katheters zu verhindern, wird der Kathetertrichter entweder durch einen offenen (unten abgeschnittenen) Urinauffangbeutel für Kinder geschützt oder in einen Urinauffangbeutel mit Überleitungsstück abgeleitet.

Urinableitung über einen Urinauffangbeutel für Pädiatrie

Material (verordnungsfähig)

  • Urinauffangbeutel für Pädiatrie: Es handelt sich um Klebebeutel, die zum Auffangen von Urin verwendet werden.
  • Einmalkatheter oder Ballonkatheter. Achtung: Beschichtete Katheter eignen sich keinesfalls zur nächtlichen Ableitung, weil sie in der Harnröhre festkleben können, was beim Entfernen des Katheters Verletzungen verursachen kann.

Ausführung

  • Vorbereitung aller (üblichen) Maßnahmen zum Legen eins Harnblasenkatheters (vg Katheterentleerung bei Mädchen/Jungen).
  • Legen des Harnblasenkatheters in der üblichen Weis
  • Befestigen des Katheters mit dem vorbereiteten Leukosilk Streifen:
    bei Jungen am Penis: Ein Ende des Klebestreifens am Penis (z.B. rechts) ankleben, Streifen zur Gegenseite führen, unter dem Katheter durchführen und hier am Katheter festkleben, dann den Klebestreifen wieder (nach links) hochführen und an der (linken) Seite des Penis festkleben.
    bei Mädchen an den (äußeren) Schamlippen: Ein Ende des Klebestreifens an der (rechten) großen Schamlippe festkleben. Streifen nach links unter dem Katheter durchführen; hier am Katheter festkleben; Streifen von hier aus (nach links) wieder bis zur (linken) Schamlippe führen und hier festkleben.
  • Klebeschutz des unten abgeschnittenen Urinauffangbeutels abziehen.
  • Den Trichter des (festgeklebten) Katheters in die von der Klebefläche umgebene Öffnung des Urinauffangbeutels stecken.
  • Den Beutel durch Falten der Klebefläche am Katheter festkleben.
  • Der über den Katheter entleerte Urin kann am unteren Ende des offenen Beutels wieder herauslaufen.
  • Windel (wie üblich) anlegen. Das geschützte Ende des Katheters bei „Bauchschläfern“ nach vorne bei „Rückenschläfern“ nach hinten in die Windel legen.
  • Katheter am Morgen entfernen.

Urinableitung über einen Urinauffangbeutel mit Überleitungs-Schlauch

Diese Art der Urinableitung eignet sich nur für ruhige Schläfer.

Material (verordnungsfähig)

Neben den üblichen Materialien zur Katheterentleerung wird benötigt:

  • Urinauffangbeutel mit einem Auffangvermögen (je nach Alter) von 1 oder 2 Litern mit Überleitungsstück sowie eine Aufhängevorrichtung für den Urinauffangbeutel am Bett.

Ausführung

1. Legen des Katheters
2. Ankleben des Katheters (wie oben beschrieben)
3. Verbinden des Kathetertrichters mit dem Urinauffangbeutel
4. Entfernen des gesamten Auffangsystems am Morge

Nachtkatheter und Oxybutynin-Anwendung

Bei einer nächtlichen Harnableitung muss die Oxybutynin-Dosis durch Einnahme des Medikamentes (orale Anwendung) erfolgen.

Literatur

Koff SA et al (2005): Nocturnal bladder emptying: a simple technique for reversing urinary tract deterioration in children with neurogenic bladder; J.Urol, 174: 1629-1632.

Stein R, Assion C, Beetz R, Bürst M, Cremer R, Ermert A, Goepel A, Kuwertz-Bröking E, Ludwikowski B, Michael T, Pannek J, Peters H, Rohrmann D, Rübben I, Schröder A, Trollmann A, Thüroff JW, Wagner W (2014): Diagnostik und Therapie der neurogenen Blasenfunktionsstörungen bei Patienten mit Meningomyelocele. Leitlinie Registrierungsnummer: 043 – 047

 

 

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