Ultraschalluntersuchung – Pränatale Diagnostik

Definition

Untersuchung von Körperteilen mit Ultraschall-Wellen von hoher Frequenz, die für das menschliche Ohr nicht hörbar (deshalb: ultra- = jenseits von Schallwahrnehmung) sind.
Anwendung: Schmerzfreies, ohne Nebenwirkungen beliebig oft zu wiederholendes, den Patienten nicht belastendes Verfahren zur bildlichen Darstellung von inneren Organen und Organstrukturen, Bewegungsabläufen an inneren Organen (z.B. Herz, z.B. Harntransport), auch zur Beurteilung der kindlichen Entwicklung während der Schwangerschaft.

Häufige Anwendungen:

Untersuchungen vor der Geburt (im Rahmen der pränatalen Diagnostik)

Ziele:

  • Genaue Bestimmung des Schwangerschaftsalters (inzwischen das genaueste
    Verfahren zur Altersbestimmung), hat die Altersbestimmung durch die Regelanamnese abgelöst
  • Kontrolle der körperlichen Entwicklung
  • Frühe Entdeckung von Wachstumsverlangsamungen des Kindes
  • Größe der Plazenta, Fruchtwasserbildung
  • Suche nach auffälligen Entwicklungsmerkmalen
    Bei auffälligen Befunden erfolgen weitere Ultraschalluntersuchungen.

Die Ultraschalluntersuchung ist  Bestandteil des Schwangeren-Vorsorgeprogramms und wird in drei Stufen angeboten:

Stufe 1

1. Screening: 9.- 12. SSW
Beurteilung:
– Kind im Uterus oder an abnormer Stelle
– Embryo erkennbar
– Mehrlingsschwangerschaft
– Herzaktion
– Biometrie (Scheitel-Steißlänge (SSL), biparietaler Durchmesser)
– zeitgerechte Entwicklung ?
– Auffälligkeiten ?, -> weitere Untersuchungen angezeigt ?

2. Screening: 19.- 22. SSW
Beurteilung:
– Einlings-/Mehrlingsschwangerschaft
– Lebenszeichen (Bewegungen, Herzaktion…)
– Biometrie des Kopfes, des Rumpfes
– Zeitgerechte Entwicklung, evtl. Kontrollbedürftigkeit
– Fruchtwassermenge
– Lage, Form und Struktur der Plazenta

3. Screening: 29.- 32. SSW
Beurteilung:
– Einlings-/Mehrlingsschwangerschaft
– Lebenszeichen (Bewegungen, Herzaktion…)
– Lage des Kindes
– Biometrie des Kopfes, des Rumpfes
– Zeitgerechte Entwicklung
– Fruchtwassermenge
– Lage, Form und Struktur der Plazenta

Stufe 2

Zuständigkeit / Indikationen: Ausführung spezieller Ultraschall-Untersuchungen bei Risikoschwangerschaften.
Einrichtungen: besondere Schwerpunkteinrichtungen mit spezieller technischer Ausstattung und Erfahrung.

Stufe 3

Zuständigkeit / Indikationen: wie Stufe 2, jedoch zusätzlich zuständig für alle Risikoschwangerschaften und Problemfälle.
Einrichtungen: Besondere Schwerpunkteinrichtungen mit hochtechnisierter Einrichtung und spezieller Erfahrung.

Drei-dimensionale Ultraschalltechnik (3-D-Technik)

Die 3-D-Technik gestattet eine exakte intrauterine räumliche Darstellung des ganzen Feten. Qualitativ hochwertige Bilder ergeben sich etwa ab der 20. SSW (Merz, 1996), aber auch frühere Untersuchungen sind möglich (MUELLER u. Mitarb., 1996).

Abdominale 3-D-Erfassung des Kindes (nach Merz 1996) 

Dimensionierung:

3 Ebenen stehen zur Verfügung

  • Volumenerfassung
  • tomographische Schnittbildanalyse
  • Oberflächentransparenz
  • 3D-Bild

Technik:

  • Schallkopf: Spezial-3 d-Schallkopf mit Winkeldarstellung bis zu 60 °. Das Volumen eines Körpers wird als Pyramidenstumpf aufgenommen, der in mehrere Schichten zerlegt werden kann.
  • Dauer einer  Schichtaufnahme: 2-4 sec.
  • Optimale Bilder sind ab der 22. SSW möglich.
  • Ein schmaler Flüssigkeitssaum ist z.B. zwischen Plazenta und Kopf erforderlich, damit eine 3D-Aufnahme möglich ist.

Mögliche Resultate:

  • orthogonale Bilddarstellung
  • plastische Oberflächendarstellung
  • plastische Transparenzdarstellung
  • simultane Bilddarstellung
  • mögliche Bildeinstellung in 3 Ebenen
  • exakte Einstellungen
  • exakte Volumenmessung

Zielorgane/Organabschnitte

alle Organe können dargestellt werden.

  • Schädel (Lippen, Ohrmuscheln, Gaumen, Schilddrüse)
  • Orbita
  • Corpus callosum ab 20. SSW
  • Bauch
  • Extremitäten

Bei Auffälligkeiten: genauere Darstellung durch die Aktivierung mehrerer Schnittebenen.
Möglichkeiten:

  1. Oberflächenberechnung
    Eingabe des Berechnungswinkels (meist 180 °, aufgeteilt in Ebenen zu je 30 °) Dauer 120 sec. Auch andere (beliebig viele) Winkelvorgaben sind möglich. Aber: je mehr Schichten/Bildebenen, umso länger wird die erforderliche Aufnahmezeit, damit steigt das Artefakt-Risiko.
  2. Bearbeitung des Volumens
    – Drehung des Volumens
    – Kartesische Speicherung (nur ein Teilvolumen wird berechnet)
    – Resultat: (sehr) plastische Darstellung
  3. Bearbeitung des Oberflächenbildes
    – Optimierung der Helligkeit
    – dann weitere Bildberechnungen möglich (z.B. Corpus um die eigene Achse rotieren lassen Betrachtung aus allen Perspektiven). Rotation vermittelt das Gefühl, als könne man in die Tiefe sehen
  4. Transparenzdarstellung
    – Alle Strukturen können dargestellt werden
    – Skelett unter Ausblendung der Weichteile
    – Skelett und Weichteile
    – Optimale Achseneinstellungen, d.h. keine Verzerrungen

Untersuchung von Organen

  • Wirbelsäule: Spina bifida: Defektgröße,
  • Tiefe der Spalte,
  • Zystensack kann “abgeschnitten” werden (somit Unterscheidung der Defektgröße, Zelengröße usw.)
  • Schädel: LKG (Abgrenzungen von aparten Mundausbildungen)
  • Fehlbildungen der Ohrmuschel (Ohrmuscheldysplasien)
  • Bauch: Nabelschnurbruch (Omphalozele)
  • Extremitäten: Füße, Hände und deren Fehlbildungen..

Vorteile (benefit):

  • Permanente verlustfreie Speicherung aller Informationen
  • Alle Aufnahmen sind jederzeit wieder abrufbar und neu beurteilbar
  • Verringerung der Gesamtschallzeit

Für den Untersucher

  • Plastische Darstellung fetaler Strukturen
  • Feindiagnostik der Oberflächenstrukturen
  • Darstellungsmöglichkeit komplexer Fehlbildungen
  • Rotationsmöglichkeiten in allen Ebenen
  • Intensivierung und wesentliche qualitative Verbesserung der Einzelausbildung

Für Patient/Eltern

  • Völlig neues Bilderlebnis
  • Neue Beziehung zum Kind
  • Mögliche Abgrenzung des Schweregrades einer Fehlbildung
  • Unterscheidung von Normalbefund oder Auffälligkeit
  • Mögliche Rehabilitation kann genauer besprochen werden
  • Artefakte sind leichter erkennbar, hierdurch nochmalige
  • Verbesserung der Beratungsqualität

Grenzen:

  • Olgohydramnion: keine Oberflächenberechnung möglich
  • Bewegungen während des Volumenaufbaues: Vortäuschung von  Veränderungen, aber Korrekturen sind bei nochmaliger Aufnahme möglich

Zukunftsperspektiven:

  • Beschleunigung der Bildberechnung (möglich mit Parallelprozessoren: 5 sec statt 50 sec (bereits auf dem Markt)
  • Speicherung auf Bildplatte
  • 3-d-Realtime Technik
  • Transvaginale Darstellung: mehr Bewegungsfreiheit.

Dopplersonographie

Indikationen: Vor der Geburt (pränatal):

a) Ausschluss von vermuteten Störungen des Blutkreislaufes der Plazenta. Diagnostik bei kindlichen Herzfehlern.
Zuständigkeit: Spezielle Institute für pränatale Diagnostik auf Stufe 2 oder 3.

b) Nach der Geburt: Messen des Blutstromes in Schlagadern (Arterien), z.B. auch der Schlagadern, die das Gehirn mit Blut versorgen. Bei Hirnüberdruck ist eine Veränderung der Strömungsgeschwindigkeit in der Arteria carotis (u.a.) denkbar.

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