Oxybutynin-Anwendung in der Harnblase

Ausnahmeindikation

Das Medikament ist zur Instillation in die Harnblase vom Bundesgesundheitsamt nur mit besonderer Begründung (Ausnahmeindikation) zugelassen (Stand: 01.2016). In begründeten Einzelfällen (z.B. bei Bestehen einer spastischen Harnblase mit Bedrohung der Harnwege und Nieren oder/und bei erheblichen Nebenwirkungen bei der Einnahme von Oxybutynin) ist eine Anwendung jedoch möglich. Im Vergleich zu den Nebenwirkungen bei (oraler) Einnahme des Medikamentes sind bei Anwendung von Oxybutynin in der Harnblase deutlich weniger Nebenwirkungen zu erwarten. Fragen Sie Ihren Arzt!

Herstellung der Lösung

Die Herstellung der Lösung erfolgt durch ärztliche Verordnung und kann durch jede Apotheke erfolgen.

Rezeptur

100 mg Oxybutynin-Hydrochlorid in 100 ml Kochsalzlösung geben (1 ml Lösung enthält 1 mg Oxybutynin). Lösung mit Bakterienfilter reinigen. Von der Lösung …….. ml morgens – mittags – abends in die Harnblase geben.
Einmalspritzen (Größe: je nach anzuwendender Menge), Einmalkanülen zur Entnahme der Lösung aus der Vorratsflasche.
Lösung unten im Kühlschrank aufbewahren.

Fertigpräparat

Neben der durch die Apotheke vor Ort hergestellten Lösung wird von verschiedenen spezialisierten Apotheken ein Fertigset angeboten. Hier bekommt man das Medikament Oxybutynin in 0,1%iger Lösung bereits vorkonfektioniert nach Hause geschickt. Das Fertigset ist einfacher in der Anwendung. Diese Darreichungsform hat eine längere Haltbarkeit und muss nicht gekühlt gelagert werden. Dadurch eignet es sich auf für die Anwendung z.B. in der Schule oder am Arbeitsplatz.

Rezept für Oxybutinininstillation

Größe            PZN          ml       Gehalt
N2(10Stk.)       5396793      10       10mg
N2(10Stk.)       5396801      20       20mg

N3(100Stk.)      1915747      10       10mg
N3(100Stk.)      1915776      20       20mg

Dosierung

Kindesalter > 5 Jahre: Anfangs 2 x 2,5 mg, steigern bis auf 2 x 5 mg, ggf. auch höher bis maximal 3 x 5 mg.

Erwachsene: Die mittlere Dosis für Erwachsene beträgt 3 x  2,5 – 5 mg. Maximaldosis 4 x 5 mg/Tag. Die ermittelte Tagesdosis wird aufgeteilt in 2-3 Gaben (hierbei wird, wenn nötig, nach oben oder unten abgerundet). Beispiel: bei einem Körpergewicht von 10 kg ergibt sich eine Tagesdosis von 5 mg; diese Dosis wäre aufzuteilen in 3 Dosen von 2 – 1 – 2 mg.

Gründe (Indikationen) für die Anwendung des Medikamentes

Medizinische Gründe

[   ] – Ungesteuerte neurologische Eigenaktivität der Harnblase

[   ] – Umbau der Harnblase mit Verdickung der Harnblasenwand

[   ] – „Balkenblase”

[   ] – Pseudodivertikel

[   ] – Vorliegen eines Refluxes in die Niere rechts-links-beidseits

Soziale Gründe

Verlängerung der Trockenphase

[   ] – beim Besuch des Kindergartens

[   ] – während der Schulzeit

[   ] – während der Arbeitszeit

[   ] – ………………………………………………………………………………………….

Voraussetzungen für die Anwendung in der Harnblase

  • Erhebliche Nebenwirkungen bei der oralen Anwendung des Medikamentes.
  • Beherrschen der Technik der Katheterentleerung (vgl. Anleitung: Katheterentleerung bei Mädchen/Frauen, bei Jungen/Männern).
  • Beherrschen der orientierenden Urinuntersuchung mit Teststäbchen und vorgefertigten Nährböden (vgl. Anleitung: Urinuntersuchung mit Teststreifen und Urinuntersuchung mit vorgefertigten Nährböden).
  • Kenntnisse über Wirkungen und Nebenwirkungen von Oxybutynin.

Vergleich von Wirkungen / Nebenwirkungen

Um vergleichen zu können, ob die Einnahme oder die Anwendung in der Harnblase günstiger ist oder keinen Vorteil bietet, sollten vor Beginn der Anwendung von Oxybutynin in der Harnblase die Wirkung und Nebenwirkung der oralen Einnahme bekannt sein.

Orale Anwendung

Bisherige Dosierung: …….x…….Tbl. /Tag

Dauer der Trockenphasen: sicher:…….Stunden; unsicher:…… Stunden …… keine sicheren Trockenphasen.

Nebenwirkungen:

[  ] – Mundtrockenheit

[  ] – Hautrötungen / Hauttrockenheit

[  ] – Sehstörungen

[  ] – Darmträgheit

[  ] – Sonstige Nebenwirkungen ………………………………………………….

[  ] – bei welcher (oral) eingenommenen Dosis von Oxybutynin traten Nebenwirkungen auf?

bei…………Tabletten.

Nach erfolgter Einstellung ist zu empfehlen, das Ergebnis durch eine (orientierende) Blasendruckmessung (vgl. Anleitung: Orientierende Blasendruckmessung) zu kontrollieren.

Umstellung

Umstellung von der oralen Gabe zur Instillation

Durch die instillierte Oxybutyninmenge soll die gleiche Blasenkapazität (bewertet nach der durchschnittlichen katheterisierten Urinmenge) bzw. der gleiche Grad der Entspannung der Harnblase erreicht werden wie bei der (oralen) Einnahme.
Deshalb empfiehlt es sich

  • die Umstellung schrittweise vorzunehmen (z.B. zunächst eine orale Dosis durch eine Instillation zu ersetzen, nach zwei Tagen die zweite Dosis usw.);
  • zunächst die gleiche Oxybutynin-Dosis in die Harnblase zu geben, die oral eingenommen wurde;
  • regelmäßig die Urinmenge zu messen und die instillierte Dosis solange zu steigern (oder abzusenken), bis die gleiche Blasenkapazität bzw. die gewünschte Entspannung erreicht ist.

Umstellung von einem anderen blasenentspannenden Medikament auf Oxybutynin

Soll ein Medikament, das zur Entspannung der Harnblase gegeben wurde, durch Oxybutynin ersetzt werden, dann wird das vorher gegebene Medikament abgesetzt und das Oxybutynin gegeben. Nach erfolgter Umstellung ist zu empfehlen, das Ergebnis durch eine (orientierende) Blasendruckmessung (vgl. Anleitung: Orientierende Blasendruckmessung) zu kontrollieren.

Material

Oxybutynin-Hydrochlorid-Lösung. Rezeptur: s.o..
Einmalspritzen (Größe: je nach anzuwendender Menge).
1er Einmalkanüle zur Entnahme der Lösung aus der Vorratsflasche (man kann auch die Einmalkatheter, die zur Katheterentleerung genommen werden, zur Entnahme des Medikamentes aus der Vorratsflasche verwenden, hierzu muss der Gummiverschluss der Flasche entfernt werden).
Verbindungsstück für Nephrofix-Katheter von Braun (Artikel Nr. 04438450) als Verbindung zwischen Spritze und Katheter.
heißer Waschlappen zum Erwärmen der in der Spritze aufgezogenen Lösung (Näheres siehe unten).

Ausführung

Aufziehen der Lösung

  • Lösung vor jedem Gebrauch schütteln;
  • die ärztlich empfohlene Menge der Lösung in die Spritze aufziehen;
  • aufgezogene Spritze etwa auf Körpertemperatur (durch Umwickeln mit heißem Waschlappen) erwärmen.

Legen des Harnblasenkatheters

Instillation

  • Katheter auf die Spritze setzen;
  • vorgeschriebene Oxybutynin-Lösung in die Harnblase geben;
  • Katheter ziehen. Lösung in der Harnblase lassen.

Besonderheiten

Instillation bei Verwenden eines Nachtkatheters

Wird ein Nachtkatheter verwendet, muss die abendliche Dosis des Medikamentes immer oral eingenommen werden.

Instillation bei bestehendem Reflux

Besteht ein Harn-Rückfluss aus der Harnblase in die Harnleiter und/oder Nieren, ist es nicht auszuschließen, dass Oxybutynin in die Harnleiter und Nieren gelangen kann. Negative Auswirkungen sind bisher nicht bekannt, sind aber auch nicht ausgeschlossen.

Literatur

1.Madersbacher, H.: Applikationsformen von Pharmaka zur Detrusorrelaxation – die intravesikale Instillation von Oxybutynin, in: Madersbacher, H.; Palmtag, H.: Detrusorrelaxation, Grundlagen und klinische Aspekte, S. 45 ff; PVV-Verlag Preuß 1991.
2.Dik, P.; Klijn, A.J.; van Gool, J.D.; de Jong-de Vos van Steenwijk, C.C.; de Jong, T.P.: Early start to therapy preserves kidney function in spina bifida patien Eur Urol. 2006 May; 49 (5): 908-13.
3.Stein, R.; Schröder, A.; Beetz, R.; Ermert, A.; Filipas, D.; Fisch, ; Goepel, M.; Körner, I.; Schönberger, B.; Sparwasser, C.; Stöhrer, M.; Thüroff, J.W. (Urologe 2007): Diagnostik und Management urologischer Erkrankungen bei Patienten mit Meningomyelozele – Eine Konsensusempfehlung des AK Kinderurologie in Zusammenarbeit mit dem AK Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau der Akademie der Deutschen Urologen und der Arbeitsgemeinschaft für pädiatrische Nephrologie.
4.Burgdörfer, H.; Heidler, H.; Madersbacher, H.; Kutzenberger, J.; Palmtag, H; Pannek, J.; Sauerwein, D.; Stöhrer, M. (2007): Manual Neurourologie und Querschnittlähmung – Leitlinien zur urologischen Betreuung Querschnittgelähmter. 4. Überarbeitete Auflage 2007.
5.Haferkamp, A.; Staehler, G.; Gerner, H.J.; Dörsam, (Spinal Cord 2000): Dosage escalation of oxybutynin in the treatment of neurogenic bladder patients.

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