Krampfanfälle – Epilepsie: Grand Mal – Status epilepticus – Notfallmaßnahmen

frz. großes Übel, große Krankheit, Mz.: (korrekt, aber ungebräuchlich) Grands meaux. „Großer Anfall“ (tonisch-klonisch generalisierter epileptischer Anfall). Das G.m. geht von krankhaft hohen (bio-)elektrischen Entladungen im ganzen Gehirn aus. Folge ist ein Krampfzustand der ganzen Skelett-Muskulatur.

Grand mal – Maßnahmen – Verhalten – Therapie

Vor einem Krampfabfall: Ein Krampfanfall kündigt sich oft an, kann aber auch unerwartet auftreten. Die erste Reaktion ist Schrecken und Ratlosigkeit und der Wunsch, sofort fremde Hilfe herbeizuholen. Aber: Nicht weglaufen!
Lassen Sie den krampfenden Menschen nicht allein, bis die unmittelbare Gefährdung (vgl. 1-6) beseitigt ist. Handeln Sie planmäßig, nicht kopflos!

Beachten Sie folgende Regeln:
1. Ruhe bewahren! In der Regel erschöpft sich der Anfall von selbst. Die Anfallsdauer beträgt meist nicht länger als 30 Sekunden bis 5 Minuten.
2. Bringen Sie den Patienten zunächst aus einer evtl. Gefahrenzone, damit er sich nicht noch zusätzlich verletzt; räumen Sie alle harten Gegenstände aus der Umgebung. Ruhe bewahren! 3. Verletzungen – Erbrechen: Bringen Sie den Patienten in eine stabile Seitenlage. Beachten Sie, dass der Kopf auf einer weichen Unterlage auf der Seite liegt, damit evtl. Erbrochenes oder Schleim aus dem Mund abfließen kann.
4. Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die zuckenden Arme oder Beine festzuhalten. Es besteht die Gefahr von zusätzlichen Verletzungen.
5. Lockern Sie die Kleidung, vor allem am Oberkörper.
6. Beißschutz: Versuchen Sie, falls die Kaumuskulatur verkrampft ist, einen weichen (!) Gegenstand zwischen die Zähne zu schieben, z.B. ein fest zusammengelegtes Taschentuch, einen Gummikeil (sofern vorhanden) oder eine Brieftasche. Hiermit können Sie Zungenbisse oder Wangenbisse vermeiden. Hierbei jedoch Vorsicht vor eigenen Verletzungen.Benutzen Sie niemals feste oder harte Gegenstände. Ein Zungenbiss ist ein kleineres Übel als ein ausgebrochener Zahn. Wenden Sie keine Gewalt an!
7. Eine Mund-zu-Mundbeatmung oder die Gabe von Sauerstoff ist bei Zeichen von Luftnot nicht erforderlich. Wenden Sie keine Riechmittel an.
8. Beruhigen Sie erregte Angehörige, Schüler, Kollegen/innen. Die Angst, der Anfall könne tödlich enden, ist unbegründet. Aber: Erst beieinem über 15 Minuten dauerndem Anfall (= Status epilepticus) besteht Lebensgefahr (vgl. jedoch 1).
9. Erst wenn diese Regeln eingehalten wurden, holen Sie ein Medikament zur Krampfunterbrechung *.
Verabreichen Sie in den After:
– bei einem Säugling bis zu einem Jahr: 2-3 mg Diazepam ® (= 1/2 Rektiole)
– bei einem Kleinkind (bis drei Jahre) 1 Rektiole von 5 mg Diazepam ®
– bei Schulkindern eine Rektiole von 10 mg Diazepam ®.
10. Unterrichten Sie den behandelnden Arzt über den Anfall.

11. Dauert der Anfall länger als 15 Minuten, ist in jedem Fall sofort ein Arzt zu
benachrichtigen.
Es besteht Lebensgefahr!
Das gleiche gilt,
– wenn mehrere Krampfanfälle hintereinander auftreten, ohne dass der Patient das Bewusstsein
wiedererlangt hat.

12. Die genaue Anfallsbeschreibung ist für die weitere Therapie wichtig.
Beachten Sie deshalb:
– die
Tageszeit (Uhrzeit)
– die Beziehung zum Schlaf: trat der Anfall am Morgen vor dem Aufwachen oder am Abend nach
dem Einschlafen auf,
– die
Dauer des Anfalls: die Zeit ist oft im Nachhinein nicht genau abzuschätzen, der
Krampfanfall scheint oft sehr viel länger zu dauern, als er in Wirklichkeit war.
Art und Verlauf des Krampfanfalls:
– wo hat der Anfall begonnen? An den Fingern, an der Hand, im Arm, an den Zehen, dem Fuß,
Bein, Gesicht, auf einer Körperseite ?
– hat der Krampf sofort am ganzen Körper begonnen oder hat er sich erst allmählich ausgebreitet:
Hand / Arm / ganzer Körper oder Fuß / Bein / ganzer Körper?
– hat der Anfall mit einem Geräusch (Stöhnen, Schrei), einer Streckung (Dauer?) begonnen, bevor
die Zuckungen einsetzten?
– die
Körpertemperatur (Fieber?)
– die Dauer des
Nachschlafes
– liegen / lagen (vorübergehende)
Lähmungen vor?

* Bewahren Sie krampflösende Medikamente an einem festen, allen bekannten Platz gut zugänglich auf. Beachten Sie die Verfallsdaten der Medikamente.

Status epilepticus

Mehrfach hintereinander auftretende generalisierte epileptische ( Epilepsie) Anfälle bei Kindern und Erwachsenen, die a) länger als 5 Minuten dauern, oder b) zwei oder mehrere Anfälle, die länger als 5 Minuten dauern, ohne dass der Patient das Bewusstsein vollständig wiedererlangt [69]. Ein S. e. ist lebensbedrohlich und als Notfall behandlungsbedürftig.

Therapie des Status epilepticus [67]

Lorazepam Diazepam

Erwachsene i.v.-Dosis mg/kg 0,1 0,15 – 0,25

Erwachsene Gesamtdosis mg 4 – 8 –

Kinder i.v.-Dosis mg/kg 0,05 – 0,5 0,1 – 0,5

Kinder Gesamtdosis 1 – 4

Rektaldosis Kinder mg/kg – 0,5

Rektaldosis gesamt mg 20

Maximale Dosis mg / Minute 2,0 5

Zeit bis zum Stopp des Status 6-10 Minuten 1-3 Minuten

Wirkungsdauer > 12-24 Stunden 15 – 30 Minuten

Mögliche Nebenwirkungen:

Bewusstseinseinengung mehrere Stunden 10 – 30 Minuten

Atemdepression gelegentlich

Blutdruckabfall selten

Herzrhythmusstörungen nur bei Herzkranken zu befürchten…

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