Kopfumfang – Messen des Kopfumfangs und Führen einer Kopfumfangskurve

Vorbemerkungen 

Der Kopfumfang ist durch die Eltern genetisch festgelegt, ist also ein persönliches (individuelles) Körpermaß. Das Kopfwachstum erfolgt normalerweise entlang einer (statistisch ermittelten) Linie, der Perzentile, die in >> Kopfumfangskurven festgelegt ist.
Zu unterscheiden ist ein durchschnittliches, ein über- und ein unterdurchschnittliches Kopfwachstum. In der Regel wachsen Kopfumfänge innerhalb statistisch ermittelter Normalwerte (persönliche Perzentile). Mehrere Messwerte in unterschiedlichem Alter ergeben eine Kurve, die der persönlichen Perzentile entspricht. Über- und unterdurchschnittliches Kopf-wachstum weicht von diesem Normalwachstum nach oben oder unten ab (vgl. unten: Beurteilung).

Messen des Kopfumfanges 

Das Messen des Kopfumfanges ergibt vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern, d.h. wenn die Schädelnähte noch nicht vollständig verschlossen sind, einen Hinweis auf einen normalen oder gestörten Hirnwasserkreislauf. Denn bei länger bestehendem Überdruck weicht das Wachstum des Kopfumfanges von seiner Perzentile (oft sprunghaft, aber auch langsam) nach oben ab. Aber auch im späteren Alter kann bei länger bestehendem (chronischem) Hirndruck der Kopfumfang überdurchschnittlich wachsen. Deshalb kann/soll auch im Kindesalter (häufig), im Jugend- und Erwachsenenalter (seltener) der Kopfumfang regelmäßig gemessen werden. Weitere Hinweise auf Störungen des Hirnwasserkreislaufes ergeben sich aus den speziellen Anleitungen, in denen die >> Hirndruckzeichen beschrieben sind. 

Material

Bleistift, Lineal, Kopfumfangskurve

Das Messblatt zeigt zwei Mess-Skalen:

  • auf der senkrechten Skala sind die cm- und mm-Angaben des Kopfumfanges eingetragen;
  • die waagerechte Skala zeigt das Alter an.

Auswahl der Kopfumfangskurve

  • Säuglinge: Während des Säuglingsalters verwendet man eine Kurve mit einem kleinen Maßstab, in die (bei Bedarf) wegen des (normalen) schnellen Kopfwachstums täglich ein Messwert eingetragen werden kann. Die tägliche Messung ist zwar nur ausnahmsweise erforderlich, gibt aber den Eltern immer die am Anfang so wichtige Sicherheit, das Kopfwachstum selbstständig verfolgen zu können. Damit kann die häufig bestehende Befürchtung, eine krankhafte Erhöhung des Kopfumfanges zu übersehen, vermieden werden. Die in den Vorsorgebüchern abgebildeten Kurven sind hierzu weniger geeignet.
  • Kindesalter: Im Kleinkind- und Kindesalter wird eine Kurve mit größerem Maßstab verwendet, die eine wöchentliche Messung erlaubt.
  • Jugendliche / Erwachsene: In diesen Altersstufen wird eine Kurve mit größerem Maßstab verwendet, die eine etwa monatliche Messung erlaubt.

Maßband
Eigenschaften: Das Maßband muss flexibel sein, darf sich unter Zug nicht dehnen und muss eine mm-Einteilung enthalten. Weil Maßbänder nicht absolut normiert sind, empfiehlt es sich, immer das gleiche Maßband zu verwenden. 

Messen des Kopfumfanges

Jede Untersuchungsmethode, auch das Messen des Kopfumfanges, muss geübt werden. Die Messung erfolgt (zunächst) am liegenden Säugling / Kind, kann aber auch in jeder anderen Körperlage erfolgen.
Wichtig ist das Anlegen des Maßbandes
Bezugspunkte

Hinterkopf: Bei Betasten des unteren Teiles des Hinterkopfes tastet man unter der Haut eine längliche, querverlaufende Knochenleiste (= Protuberantia occipitalis externa = Ansatz der Nackenmuskulatur). Die Unterkante des Maßbandes soll auf dieser Knochenleiste liegen.
Das Maßband wird vom Hinterkopf her um den Schädel geführt, hierbei verläuft die Messlinie oberhalb der Ohren.
Stirn: Der zweite Bezugspunkt ist der höchste Punkt der Stirnwölbung.
Begründung: Mit diesem Messpunkt erfasst man (auch) beginnende Abweichungen der Schädelform (im Sinne einer Balkonstirn), die sich bei Hirn-Überdruck ausbildet. Bei anderen Führungen des Maßbandes (z.B. über die Augenbrauen) lassen sich Abweichungen der Schädelform weniger sicher erfassen.
Von diesen Regeln kann es begründete Ausnahmen geben
Der Kopfumfang soll immer an der gleichen Stelle gemessen werden.

Eintragen des Messwertes in die Kopfumfangskurve

Der gemessene Wert wird in die benutzte Kopfumfangskurve eingetragen.

1. Schritt: Man sucht zunächst auf der waagerechten Skala das Alter auf und errichtet hier eine senkrechte Linie.

2. Schritt: Dann bestimmt  man auf der senkrechten cm-Skala den Messpunkt und zieht von hier aus eine waagerechte Linie, soweit, bis diese Linie die senkrechte Linie schneidet. So erhält man den aktuellen, altersbezogene Messwert.
Bei regelmäßiger Messung ergibt sich die individuelle Kopfumfangskurve.

Beurteilung

Beurteilt wird der Verlauf der individuellen Kopfumfangskurve.

Normaler Verlauf
Die Messwerte folgen der persönlichen Perzentile. Eine Kontrollmessung ist nach Belieben möglich.

Auffälliger Verlauf
Abweichen der Kurve nach oben: Die Messwerte weichen an mehreren, aufeinanderfolgenden Tagen von der persönlichen Perzentile nach oben ab. Es besteht der Verdacht auf eine Störung des Hirnwasserkreislaufes.
Maßnahmen:  1. Beachten von altersentsprechenden Hirndruckzeichen (vgl. hierzu die Anleitungen: Hirndruckzeichen). 2. Benachrichtigen des behandelnden Arztes / Kinder-/ Neurochirurgen.
Das Abweichen der Kurve nach unten ist nach Legen einer (neuen) Hirnwasserableitung (wegen abnormer Steigerung des Hirndrucks) zu beobachten.

 

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