Hirnwasserableitung in den Bauchraum – Hinweise zur Operation

(Ventrikulo-peritoneale Hirnwasserableitung)

Hinweise zur Operation

Das Legen einer Hirnwasserableitung ist ein operativer Eingriff in Vollnarkose, bei dem bei einer Störung des Hirnwasserkreislaufes eine Verbindung zwischen einer (meist der rechten) seitlichen Hirnkammer (Ventrikel) und dem Bauchraum (Peritoneum) über einen elastischen Kunststoffschlauch mit einem dazwischen liegendem druckregulierenden Ventil hergestellt wird.

Hirnwasserkreislauf

Als Hirnwasserkreislauf bezeichnet man den Weg, den die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit von dem Ort der Bildung bis zur Wiederaufnahme in das Blutgefäßsystem nimmt.

Bildung von Hirnwasser

Das Hirnwasser wird (vorwiegend) durch ein Venengeflecht (Plexus chorioideus) an der Innenseite der beiden seitlichen >>Hirnkammern (Seitenventrikel), aber auch durch kleinere Venengeflechte im Bereich der 4. Hirnkammer gebildet. Aus den seitlichen Hirnkammern fließt das Hirnwasser über eine Öffnung am Boden der Kammern ( = Foramen Monroi) in die 3. Hirnkammer, wird über einen schmalen Gang (Aqueaductus Sylvii) in die 4. Hirnkammer übergeleitet und gelangt über kleine Öffnungen, zwei seitliche (Foramina Luschkae) und eine in der Mitte liegende (Foramen Monroi) in natürliche Erweiterungen im Bereich der Schädelbasis (basale Zisternen) und verteilt sich von hier aus unter der harten Hirnhaut (Dura mater) an der Oberfläche des Gehirns und des Rückenmarkes.

Wiederaufnahme (Resorption)

Das Hirnwasser wird wieder in die Blutbahn über Blutgefäße entlang des Nervensystems aufgenommen und über Ausstülpungen der harten Hirnhaut (Pacchioni-Verbindungen= Pacchioni-Granulationen). Bei Druckerhöhungen gelangt ein (geringer) Teil des Hirnwassers durch die Zellschichten der Wände der seitlichen Hirnkammern wieder in die Blutbahn.  Eine Störung des Hirnwasserkreislaufs ist (unter anderem) die Ursache für die Entstehung eines >>Hydrozephalus.

Hirnwasserableitung

Eine Hirnwasserableitung setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem zentralen Katheter, dem Ventil, dem peripheren Katheter und ggf. weiteren Elementen (zB. Shuntassistent, Rickham Reservoir). Alle Anteile der Hirnwasserableitung bestehen aus einem hochelastischen Kunststoff. Der zentrale Katheter besteht aus einem Kunststoffschlauch, der von außen durch eine kleine Knochenlücke im (meist rechten) Scheitelbein (Os parietale) nach dessen bogenförmiger Freilegung in die seitliche Hirnkammer (I. Ventrikel) gelegt wird. An seiner Spitze befinden sich mehrere seitliche Öffnungen, durch die das Hirnwasser in den Katheter einfließen kann. Das außen liegende Ende des bei der Operation unter die Haut verlegten Katheters wird mit dem Ventil verbunden. Das Ventil reguliert den Druck, mit dem das Hirnwasser aus der Hirnkammer abfließt; es ist an der Knochenhaut fixiert und nach der Operation unter der Haut hinter dem Ohr tastbar. An seinem unteren Ende ist der periphere Katheter befestigt. Er wird unter der Haut rechts am Hals (kleiner Hautschnitt), entlang der rechten Brustseite bis zum unteren Rippenbogen geführt, über einen zweiten kleinen Hautschnitt in die Bauchhöhle eingeleitet und etwa 20 cm (Wachstumsreserve) in die Bauchhöhle vorgeschoben (die genaue Länge der Wachstumsreserve muss vom Operateur erfragt werden).

 

Die durchschnittliche Dauer des Eingriffes beträgt etwa 30 Minuten. Bei Komplikationen (z.B. Verwachsungen oder sonstige Veränderungen im Operationsgebiet) verlängert sich die Dauer des Eingriffs.
Eine Bluttransfusion ist nicht erforderlich. Dennoch wird Blut für unvorhergesehene Komplikationen bereitgehalten.
Vier bis 6 Wochen vor der Operation dürfen keine Impfungen erfolgen.
Eine Allergie gegen Latex muss vor der Operation ausgeschlossen sein. Eine allergische Disposition sollte durch eine Bestimmung des Gesamt-IgE bekannt sein. (diese Empfehlung entfällt bei Erstversorgung des Patienten).
Die durchschnittliche Dauer des stationären Aufenthaltes liegt bei etwa 7-10 Tagen. Die Dauer ist im Wesentlichen abhängig von dem Verlauf der Wundheilung und kann sich deshalb bei Wundkomplikationen verzögern. Nach Entfernen der Hautfäden ist im Allgemeinen eine Entlassung möglich.

Aufklärung durch den Operateur / Anästhesisten

Mit dem behandelnden Arzt oder/und Anästhesisten sind zu besprechen

  • Nutzen und mögliche Nachteile des geplanten Eingriffes
  • Wahrscheinliche Dauer des Eingriffes
  • Wahrscheinliche Dauer des stationären Aufenthaltes.
  • Art des eingesetzten Ventils (Name, Druckcharakteristik: niedriger, mittlerer, hoher, variabler (einstellbarer) Eröffnungsdruck)
  • Länge des peripheren Katheters bzw. im Bauchraum belassene Katheterreserve. Hiernach lässt sich die wachstumsbedingte relative Verkürzung des Bauchraumkatheters berechnen, was für die Langzeitbetreuung von Bedeutung ist (Vgl. Überwachen einer Hirnwasserableitung in den Bauchraum).

Empfohlene Untersuchungen vor der Operation

(   )   Neurologische Untersuchung: Motorik und Sensibilität
(   )   Gelenkstatus (Stellung und (aktive und passive) Beweglichkeit der Gelenke)
(   )   Muskelfunktionstest
(   )   Ausschluss einer Latexallergie (entfällt bei einer Erstversorgung)

Nachsorge-Maßnahmen

Sicherung der Nachsorge
Bei der Entlassung des Patienten muss bekannt sein:

  • Welcher Arzt oder welches Institut übernimmt die ärztliche Behandlung
  • Wie lang ist die im Bauchraum belassene Wachstumsreserve des peripheren Katheters
  • ein Wiedervorstellungstermin in der Spezialambulanz.
  • Ein Kontakt zu der regionalen Selbsthilfegruppe sollte angeboten werden.

Pflege

Tägliches steriles Verbinden der Hautnarben bis zur Wundheilung. (Wundheilung hier: Die Narben dürfen nicht mehr nässen)
Waschen des Kindes ist jederzeit möglich. Noch frische Narben sollen nicht nass werden.
Baden ist nach Abschluss der primären Wundheilung (trockene Narben) möglich.
Krusten: Nach der Entlassung noch für längere Zeit bestehende Verkrustungen können etwa zwei Wochen nach der Operation mit Öl und warmem Wasser abgeweicht (nicht abgerissen) werden.
Braunverfärbung der Haut: Sollte bei der Entlassung noch eine Braunverfärbung durch das bei der Operation verwendete Desinfektionsmittel bestehen, kann (muss aber nicht) dieses mit Waschbenzin abgerieben werden.
Narben: Die Operationsnarben sind meist noch über längere Zeit gerötet, dabei aber trocken. Eine spezielle Pflege trockener Narben ist nicht erforderlich. Jedes nachträglich auftretende Nässen der Narben muss ärztlich – wenn möglich dem Operateur – mitgeteilt werden; es kann sich um eine oberflächliche oder tieferliegende Wundinfektion handeln, über die sich der Shunt infizieren kann.

Lagerung

Für die Dauer von etwa einem Monat, d.h. bis zum Abschluss der Wundheilung sollte keine Lagerung auf dem Ventil erfolgen, danach ist einen schonende Lagerung nur bei Beschwerden notwendig.

Krankengymnastik

Eine krankengymnastische Ganzkörperbehandlung ist bis zum Abschluss der Wundheilung (also etwa einen Monat lang) auszusetzen. Hingegen ist ein Durchbewegen der Beine (im Rahmen der Belastbarkeit) jederzeit möglich.
Der Besuch des Kindergartens, der Schule oder der Arbeitsstelle ist nach Einheilen des Systems, d.h. etwa nach 4 Wochen wieder möglich.
Die Teilnahme am Sport / Schwimmen ist – in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt – nach 6-8 Wochen wieder möglich.

Empfohlene Untersuchungen 2 Monate nach Operation

(nach sicherem Abklingen des Operationstraumas)

(   )   Neurologische Untersuchung: Motorik und Sensibilität
(   )   Gelenkstatus (Stellung und (aktive und passive) Beweglichkeit der Gelenke)
(   )   Muskelfunktionstest
(   )   Kontrolle einer  Latexallergie

Weitere Informationen

Vgl. Anleitung: Kind im Krankenhaus
Vgl. Anleitung: Überwachung bei Hirnwasserableitung in den Bauchraum.

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