Hirndruckzeichen bei Jugendlichen und Erwachsenen

Einführung: Vgl. Anleitung: Hirndruckzeichen, Allgemeines

Altersentsprechende Besonderheiten:

Entwicklungsmerkmale (Wahrnehmung, Feinmotorik, Statomotorik, Sprache, Verhalten) sind ausgereift. Es hat sich ein stabiles Verhalten ausgebildet. Aussagen zur eigenen Befindlichkeit sind möglich.

Zeichen von Hirnüberdruck

  • Kopfumfang wächst meist erst bei länger bestehendem und deutlichem Überdruck überdurchschnittlich
  • Unkontrolliertes Abweichen der Augen, z.B. verstärktes Schielen, Sehstörungen, Doppelbilder, Veränderungen des Arbeitsabstandes (normal: etwa 30 cm), Verschlechterung des Sehens im Dunkeln
  • Kopfschmerzen wechselnder Dauer, morgens verstärkt, tageszeitlich wenig gebunden
  • Schluckbeschwerden mit Verschlucken, abnormer Empfindlichkeit des Rachens
  • Übelkeit, Erbrechen, Würgreiz
  • Veränderungen des Antriebs: Verminderung der Aktivität, Lustlosigkeit, Müdigkeit
  • Bewusstseinstrübung verschiedener Grade (Benommenheit, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit)
  • Vermehrtes Schlafbedürfnis, abnorme tageszeitliche Änderungen des Schlafrhythmus, oft unruhiger Schlaf
  • Nackensteifigkeit, Nackenschmerzen, lang anhaltendes oder mehrfach tägliches Zurückbiegen des Kopfes
  • Sprache weniger gut artikuliert („verwaschene Sprache“), gestörter Sprachfluss
  • Verstimmung, Stimmungsschwankungen, vermehrte Unruhe, abnorme Schreckhaftigkeit
  • Verschlechterung feinmotorischer Leistungen: Unsicheres Greifen, Veränderungen der Handschrift (Verlangsamung, Bewegungsunsicherheiten) und des Schriftbildes
  • (oft nur flüchtiges) Nachlassen der Konzentrationsspanne
  • Verschlechterung des Gangbildes, Verkürzung der Gehstrecke
  • Rückenschmerzen beim Gehen
  • Veränderungen an der Hirnwasserableitung: pralle Füllung des Ventils, das Ventil ist nicht mehr eindrückbar, verzögertes oder fehlendes Wiederauffüllen des Ventils nach Eindrücken
  • Zunehmende Spannung, Berührungsempfindlichkeit oder/und Anschwellen im Bereich der Spaltbildung am Rücken oft mit Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine.

Weitere Maßnahmen:

Ärztliche und technische Untersuchungen >>Anleitung: Hirndruckzeichen, Allgemeines

 

Abgrenzung von Hirnüberdruckzeichen gegenüber anderen Krankheitsbildern

1. Beschwerden durch zu enge Hirninnenräume >> Schlitzventrikel

2. Orthostatische Beschwerden (oB) 

Unter dem Begriff der orthostatischen Beschwerden bzw. Störungen (oder auch der „orthostatischen Dysregulation“) werden körperliche Beschwerden zusammengefasst, die bei der Aufrichtung, im Sitzen oder beim Stehen auftreten. Während des Wachstums – besonders im pubertären Wachstumsschub kommt es zum Absinken des Blutdrucks und zu Anpassungsstörungen des Kreislaufs. Hierdurch können mit unterschiedlicher Stärke und Dauer Schwindelzustände, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Verminderungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit auftreten.

Für orthostatische Beschwerden sprechen:

  • Altersbindung: meist treten oB während der Phasen von beschleunigtem
    Körperwachstum, vor allem während des pubertären Wachstumsphase auf
  • Gleichbleibende Symptome: es treten vergleichsweise wenige Symptome immer
    wieder auf: meist Kopfschmerzen, evtl. mit Augendruck in Verbindung mit
    Müdigkeit sowie Schwindel, evtl. auch Brechreiz
  • Tageszeitliche Bindung: orthostatische Beschwerden treten vorzugsweise
    a) beim Wechsel der Körperhaltung vom Liegen zum Stehen oder auch zum Sitzen,
    b) nach körperlichen Belastungen gehäuft gegen Mittag (nach der Schule) sowie gegen
    Abend auf
  • Verstärkung nach körperlicher Belastung: orthostatische Beschwerden verstärken sich während der Erholungsphase nach zusätzlicher körperlicher Belastung, z.B. nach Sport
  • Vollständige Rückbildung: nach einer Erholungsphase, z.B. nach ausreichend Schlafzeit, verschwinden die Beschwerden
  • Niedriger Blutdruck während der Beschwerden
  • Fehlende Augensymptome
  • Keine Veränderungen des Hirnstrombildes (EEGs)
  • Gehäuftes familiäres Auftreten
  • Bei Wetterwechsel bei sog. Wetterfühligkeit.

3. Migräne / Migräneartige Kopfschmerzen 

Kopfschmerzen durch orthostatische Beschwerden und Migräne unterscheiden sich oft nur durch ihre Heftigkeit.

Mehr für Migräne sprechen:

  • Familiäre Belastung
  • attackenförmiges Auftreten der Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • bei Frauen: Bindung an den Hormonzyklus
  • Für Migräne typische Veränderungen des Hirnstrombildes (EEGs)

4. Erhöhung des Blutdruckes (Hypertonie)  

Ein erhöhter Blutdruck ist als Ursache für hirnüberdruckverdächtige Symptome immer auszuschließen durch

  • mehrfache Messung des Blutdrucks
  • eine Langzeitmessung des Blutdrucks
  • die Untersuchung des Augenhintergrundes
  • internistische Abklärung verschiedener Hochdruckformen (kardial, renal, essentiell (d.h. ohne nachweisbaren Grund)).

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