Harnwegsinfektion – Symptomfreie Bakterienausscheidungen im Urin

Definition

Ausscheidung und Nachweis von Bakterien im Harn ohne weitere Krankheitszeichen wie Schmerzen, Fieber, vermehrter Harndrang, verstärkter Urinverlust usw.

Nachweis: Urinuntersuchung

  • Der Nachweis Urininfektion ist orientierend mit Teststreifen (vgl. Anleitung: Urinuntersuchung mit Teststreifen) möglich.
  • Der Nachweis der Bakterienzahl erfolgt orientierend durch vorgefertigte Nährböden: Mit Urinkulturen auf speziellen Nährböden werden die Art, die genaue Zahl der Bakterien sowie ihre Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten bestimmt.

Mögliche Ursachen

Bakterien im Urin können ein Hinweis sein auf

  • eine Verunreinigung des Urins durch Bakterien in der Umgebung der äußeren Harnröhre
  • eine abnorm lange Verweildauer von Urin in der Harnblase entweder nur nachts (nachzuweisen an einem positiven Testergebnis nur am Morgen, das sich tagsüber verliert) oder tags und nachts (wobei erhöhte Bakterienausscheidungen während des ganzen Tages beobachtet werden)
  • eine Steinbildung in der Harnblase.

Behandeln? / Nicht behandeln?

Symptomfreie Bakterienausscheidungen sind nicht mit antibiotischen oder desinfizierenden Medikamenten zu behandeln (Ausnahme: bei bestehendem Reflux).
Andererseits ist eine Bakterienausscheidung auch kein Normalzustand. Es ist deshalb durch geeignete Maßnahmen (s.u.) zu versuchen, die Ausscheidungen von Bakterien so weit wie möglich zurückzudrängen.

Möglichkeiten der Behandlung

  1. Keimfreie Gewinnung des ersten Morgenurins mit Katheter, um Verunreinigung auszuschließen (vg Anleitung: Gewinnung von keimfreiem Urin bei Mädchen/ bei Jungen).
  2. Regelmäßige Entleerung des (End-) Darmes, weil ein mit festem / hartem Stuhlgang gefüllter Enddarm eine Abflussbehinderung von Urin aus der Harnblase verstärkt.
  3. Abwaschen des Windelbereiches (vor allem nach der Darmentleerung) mit warmem Wasser, in dem eine kleine Menge Desinfektionsmittel aufgelöst i
  4. Ansäuern des Urins auf einen pH-Wert zwischen 5 und 6. Der Nachweis des pH-Wertes erfolgt mit einem pH-Indikator auf einem Teststreifen (Auswahl der Teststreifen mit pH- Indikatoren: vg Anleitungen: Urinuntersuchung mit Teststreifen, Nachweis des Säuerungsgrades im Urin und Ansäuern des Urins)
  5. Verstärkte Flüssigkeitsgabe, -aufnahme (vg Flüssigkeitsbedarf).
  6. Alternativ oder zusätzlich: Spülung der Harnblase mit (körperwarmer) Kochsalzlösung (Vg Anleitung: Harnblasenspülung);
    – bei verändertem Morgenurin: Blasenspülung am Abend
    – bei verändertem Abendurin: Blasenspülung am Morgen
  7. Bei Katheterentleerung der Harnblase: Vorübergehend häufigere Katheterentleerungen während des Tages (Individuelle Belastbarkeit beachten. Aber: Mehr als 5 Katheterentleerungen sind nur ausnahmsweise zumutbar).
  8. Bei ausschließlich nächtlichen Infektionen: ev Legen eines Nachtkatheters (Vgl. Anleitung: Geschützter Nachtkatheter).
  9. Verbesserung der Mobilität, soweit wie möglich: Hinstellen, Gehen, (vorübergehende) Intensivierung der Physiotherap
  10. Durch (nicht kassenpflichtigen) Cranberry-Saft (Vorsicht: Kalorien!) oder C.-Kapseln kann versucht werden, das Anhaften von (Coli-) Bakterien an der Blaseninnenwand zu vermindern bzw. zu vermeide

Eine wichtige Qualitätskontrolle für alle Maßnahmen ist immer die Urinuntersuchung (s.o.).

Weiter bestehende Infektion

Lässt sich trotz aller Optimierungsversuche die Keimzahl nicht vermindern, müssen mögliche Ursachen weiter abgeklärt werden.

  • Ausschluss von krankhaften Restharnmengen als freier Restharn in der Blase, als Restharn in krankhaften Ausstülpungen der Harnblase bei verdickter Blasenwand (Pseudodivertikeln) durch eine Ultraschalluntersuchung (nach Entleerung der Harnblase).
  • Ausschluss von Restharn in einem krankhaften Rückfluss (Reflux) von Urin aus der Harnblase in die Harnleiter und Nieren durch eine Ultraschalluntersuchung mit gefüllter Harnblase oder eine Röntgendarstellung der Harnblase (Refluxzystogramm).
  • Ausschluss einer Steinbildung (Ultraschalluntersuchung mit leerer Harnblase).
  • Wiederholung der urodynamischen Untersuchung mit Ausschluss von Veränderungen der Harnblase (z.B. Pseudodivertikel), von Steinen, Reflux usw. (vgl. Anleitung: Orientierende Blasendruckmessung).

 

 

 

 

 

 

 

 

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