Darmspülung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Prinzip

Entleeren des Stuhls in den letzten 10-30 cm des Enddarmes durch evtl. wiederholtes Einbringen und Ablaufenlassen einer Spülflüssigkeit (s.u.) unter Verwendung eines Darmrohres mit Gleitkonus.

Zur Methode

  • Tageszeit: Wesentlicher Bestandteil einer effektiven Darmentleerung ist die zuverlässige, regelmäßige Entleerung zur gleichen Tageszeit.
  • Vermeiden von Nebenwirkungen: Wegen möglichem (geringem) Kotschmieren nach der Entleerung sollte der Darm in ausreichendem Abstand vor sozial sensiblen Zeiten (Schule, Beruf, Veranstaltungen) entleert werden.
  • Blasenentleerung: Vor der Darmentleerung sollte eine Blasenentleerung stattfinden.
  • Zeitaufwand: Individuell, etwa 30 Minuten oder länger.

Möglichkeiten

  1. Spülung des Enddarmes mit körperwarmer Flüssigkeit mit einem hoch angebrachten offenen Irrigationsset (Behälter + Überleitungsschlauch + Darmrohr mit Gleitkonus) unter Ausnutzen der Schwerkraft des Wassers.
  2. Spülung mit einem geschlossenen Irrigationsset (selbstständig stehender Flüssigkeitsbehälter + Überleitungsschlauch + Darmrohr mit Ballon, Peristeen ®, Hersteller: Coloplast). Das Darmrohr mit aufblasbarem Ballon wird etwa 10 cm in den Enddarm eingeführt, der Ballon aufgeblasen (= Blockierung des Darmes) und eine körperwarme Spülflüssigkeit in den Darm gepumpt.
  3.  Spülung des Enddarmes mit körperwarmer Flüssigkeit mit Unterstützung einer elektrischen Pumpe (Biotrol ® – Irrimatic; Hersteller: Braun).

Material (verordnungsfähig)

  • Irrigationsset (s.o.)
  • Darmrohr mit Gleitkonus (z.B. SafetyCat ® von Medical Service, CH 20)
  • Einmal-Handschuhe (latexfrei)
  • Gleitmittel (z.B. Endosgel ®, ViaGel ®, Salbe…)
  • Material zur Reinigung der Afterregion nach der Entleerung
  • Analtampon zur evtl. Vermeidung von Kotschmiere
  • Reinigungsmaterial für Darmrohr, Konus und Flüssigkeitsbehälter (z.B. Rivanol ® Tbl.)
  • Körperwarme Spülflüssigkeit
  • Menge: etwa 20 ml/kg Körpergewicht; die Spülflüssigkeit soll die Tagestrinkmenge nicht übersteigen
  • Temperatur: Körpertemperatur.

Spülflüssigkeiten

Alle Spülflüssigkeiten können z.B. mit Glycerin oder Sorbit vermischt werden, wodurch sich die Gleitfähigkeit des Stuhls und damit die reinigende Wirkung verbessert.

  1. Ringerlösung aus Leitungswasser + Salzgemisch (Herstellung: s.u.).
    Vorteil: Ringerlösung ist dem menschlichen Körper am besten angepasst. Kein Verlust von körpereigenen Substanzen.
    Herstellung einer Ringer-Lösung
    Salzgemisch zur Herstellung von 1 Liter Ringer-Lösung:
    Natriumchlorid 8.4 g
    Kaliumchlorid 0.3 g
    Calciumchlorid 0.33 g
    Nr. 50 herstellen. In Briefchen abfüllen.
    1 Briefchen Salzgemisch in 1 l Wasser geben, umrühren.
  1. Physiologische Kochsalzlösung: Herstellung: 8 g (ein knapper Esslöffel) jodfreies Kochsalz in 1 Liter Leitungswasser lösen.
  1. Leitungswasser ohne Zusätze. Bei Verwendung größerer Mengen von Leitungswasser ohne Zusatz von Kochsalz/Ringer-Salzgemisch kann es durch Ausscheidung von Elektrolyten aus der Darmwand in die Spülflüssigkeit kann eine Elektrolytverarmung des Körpers („Wasservergiftung) entstehen. Dieser Nachteil ist zu vermeiden, wenn die Menge der Spülflüssigkeit auf die Tagestrinkmenge begrenzt bleibt.

Ausführung

  • Harnblase entleeren.
  • Spülflüssigkeit herstellen (Möglichkeiten siehe oben: Spülflüssigkeiten).
  • Darmrohr mit Gleitmittel versehen, Darmrohr einführen.
  • Flüssigkeit in den Darm einlaufen lassen.
  • Je nach System den After mit dem Gleitkonus oder Ballon verschließen.
  • Spülflüssigkeit 3-5 Minuten einwirken lassen.
  • Spülflüssigkeit und Stuhl abfließen lassen.
  • Darm ggf. mehrfach ausspülen.
  • Nach der Entleerung ggf. Tampon einsetzen (vgl. Anleitungen: Analtampons).
  • Afterregion reinigen, Hautschutz auftragen.

Nebenwirkungen

  • Eine Darmspülung kann durch austretenden Stuhl ästhetisch belastend sein. Deshalb ist auf eine Abdichtung des Afters besonders zu achten
  • Wenn die Spitze des verwendeten Katheters/Darmrohres durch harten Stuhl verstopft wird, wäre der erreichbare Stuhl mit dem Fingerling zu entfernen.
  • Um Kotschmieren nach Darmentleerung zu vermeiden sollte nach der Spülung ein Analtampon eingesetzt werden (vgl. Anleitungen: Analtampons).
  • Durchfallartige Stühle können auftreten, wenn die Spülflüssigkeit nicht vollständig abläuft. Deshalb sollte stets ein ausreichend dickes Darmrohr verwendet werden und ausreichend Zeit zur Entleerung zur Verfügung stehen.

Anleitung für die Eltern/Therapeuten

Voraussetzungen zur Anwendung der Methode

  • Fähigkeit zum Sitzen auf der Toilette (mit oder ohne Hilfsmittel). Die Füße müssen fest auf dem Boden stehen.
  • Fähigkeit zur Rumpfbeugung bzw. -stabilisierung beim Einführen von Darmrohr und Konus.
  • Fähigkeit den Darmausgang mit der Hand zu erreichen (ausreichende Armlänge, Beweglichkeit).
  • Fähigkeit sich alleine/mit Hilfe weitgehend an- und auszuziehen.
  • Fähigkeit einer sorgfältigen Intimpflege

bei Gehern

  • Ausziehen der Hose und Unterhose.
  • Evtl. Entfernen der Windel.
  • Sicheren Sitz suchen, evtl. mit Hilfsmitteln.

bei Rollstuhlfahrern

  • Wichtig ist, einen Toilettenstuhl zu wählen, der ein Umsetzen vom Rollstuhl auf den T-Sitz alleine ermöglicht.
  • Evtl. Schuhe, Orthesen, Hose, Unterhose und Windel im eigenen Rollstuhl oder auf dem T-Sitz alleine ausziehen.
  • Ist das Ablegen der Kleidung im Rollstuhl/T-Sitz nicht möglich, sollte dies alleine oder mit Hilfe auf dem Pflegebett/Liege/Aqua-tec ® im Bad erfolgen.
  • Danach sollte auf das Sitzkissen im eigenen Rollstuhl eine wasserfeste Einmalunterlage gelegt werden und jetzt erst das Umsetzen auf den Toilettensitz erfolgen.
  • Sitzposition so einnehmen (evtl. mit Hilfsmitteln), dass beide Hände frei sind zum Arbeiten sind.

Vorbereitungen

Die Entleerung erfolgt auf der Toilette. Je nach Alter und Lähmungshöhe müssen Hilfsmittel individuell angepasst werden, dass sicheres Sitzen ohne weiteres Festhalten möglich ist. Beide Hände müssen für die eigenständige Durchführung der Spülung gleichzeitig zu benutzen sein.
Da die Entleerung zwischen 30 Min. und 60 Min. dauert, ist auf Druckstellen, hervorgerufen durch die ungewohnte Sitzhaltung und Belastung von bisher unbelasteten Körperregionen, besonders zu achten und dies evtl. durch weitere Hilfsmittel (z.B. Polsterung) auszugleichen.

Hilfsmittel

  • Anatomischer Toilettensitz mit Untergestell (z.B. Wolf-Orthopädietechnik)
  • Toilettensitz TEAM LAZY ®; Toilettensitz/-rollstuhl „artosy“®, evtl. Polsterung der Sitzfläche bei Dekubitusgefahr
  • Wegklappbare Haltegriffe seitlich der Toilette
  • Evtl. Schemel zum Aufsetzen der Füße
  • Evtl. Rektalkatheter mit Konus („SafetyCath ® von medical service)
  • Fett, Salbe und/oder Gleitmittel
  • Spülflüssigkeit/Salzmischung laut Verordnung des Arztes.

    Bereitstellung der benötigten Materialien

  • Kontrolle der Wassertemperatur (Kontrollleuchte am Gerät / Thermometer beachten).
  • Bereitstellung des Gerätes in erreichbarer Weite (auf vorhandene Möbel, Rollwagen, Schemel, usw.).
  • Falls nötig in einem extra Behälter noch 2 Liter körperwarmes Wasser und Salzgemisch für eine weitere Spülung bereitstellen.
  • Latexfreie Einmalhandschuhe und Fett/Salbe zurechtlegen – alles in erreichbarer Nähe, wenn man auf der Toilette sitzt.
  • Toilettenpapier bereitlegen.
  • Vorlage, Windel oder Krankenunterlage für nach der Entleerung bereitlegen.

Ausführung

  • Handschuhe anziehen. Es gibt leider noch keine latexfreien Kindergrößen, deshalb kleinste Erwachsenengröße verwenden.
  • Konus einfetten: Fett/Salbe zum besseren Einführen auf die obere Hälfte der Spitze auftragen.
  • Konus einführen: Hier ist individuell auszuprobieren, ob die Einführung von vorne zwischen den Beinen hindurch erfolgen kann oder die Hand von hinten den Konus in den Darm einführt. Wichtig ist hier die richtige Wahl des Toilettenstuhls mit vorne gespaltener oder ausgeschnittener Brille, die eine dieser Handhabungen mit sicherem Sitz zulässt. Dabei darf die zweite Hand nicht zum Festhalten und Stabilisieren verwendet werden, da die zweite Hand noch zum Anstellen des Gerätes benötigt wird.
  • Eine Hand erfühlt die Öffnung des Afters. Die andere Hand nimmt den Konus und führt ihn zur Afteröffnung.
  • Der Konus wird jetzt mit sanftem Druck in den After eingeführt, so dass dieser soweit verschlossen wird, dass kein Wasser, das jetzt hineingepumpt wird, herausfließen kann.
  • Wasser anstellen: Die noch freie Hand bedient jetzt das Gerät.
  • Nach der Entleerung mit Toilettenpapier die Afterregion säubern.
  • Das Duschen/Baden vorbereiten.
  • Geher verschließen den After mit einer Vorlage, halten diese fest und gehen in die Dusche/ Badewanne.
  • Rollstuhlfahrer legen sich unter das Gesäß eine Vorlage/Windel und fahren mit dem Toilettenstuhl zum Umsetzen in die Dusche/an die Badewanne oder legen eine Windel um und setzen auf eigenen Rollstuhl über und fahren dann zur Dusche/Badewanne und setzen sich um.

Tipps und Anregungen – Probleme und Lösungen

Die Beratung und Anpassung eines individuellen Hilfsmittels sollte durch eine Rehaberatung, eine Krankenschwester oder ein kompetentes Sanitätsgeschäft erfolgen. Die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Anwenders und die räumlichen Voraussetzungen müssen in die Beratung einfließen. Probleme sollen gemeinsam angesprochen und individuelle Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden.
„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ – haben Sie Geduld mit sich selbst und probieren Sie andere Möglichkeiten aus! Sie sind Ihr/e eigene/r Fachmann/Fachfrau!!
Nur die regelmäßige Übung bringt Erfahrung, Sicherheit und Zeitersparnis.

Selbstständige Darmentleerung für Kinder/Jugendliche/Erwachsene

Vorbereitungen

Stelle Dir alle Sachen zurecht, die Du brauchen wirst. Alles muss, wenn Du auf der Toilette sitzt, gut mit einer Hand zu erreichen sein.

  • Stelle Dir Wasser (Temperatur kontrollieren mit Thermometer) in zwei Plastikflaschen für eine zweite Füllung des Gerätes zurecht.
  • Toilettensitz/-stuhl über die Toilette stellen.
  • Gebe die Spülflüssigkeit in den Behälter.
  • Lege Salzpäckchen bereit für zweite Füllung.
  • Lege Einmalhandschuhe, latexfrei, zurecht.
  • Fett/Salbe bereitlegen.
  • Lege Toilettenpapier bereit.
  • Vorlage/Windel/Einmalunterlagen bereitlegen für nach der Entleerung.
  • Buch, Musik und elektronische Spiele zurechtlegen für die Wartezeit.
  • Stelle einen Abfallbehälter in erreichbare Nähe.
  • Ziehe Dir Schuhe, Hose, Unterhose und Windel/Vorlage aus und setze Dich auf die Toilette, wobei die Füße auf dem Boden stehen müssen. Du musst, ohne Dich festzuhalten, sitzen können, denn Du brauchst beide Hände, um jetzt weiter zu arbeiten.

Durchführung

  • Ziehe Dir Handschuhe an.
  •  Nimm den Konus in die Hand und fette ihn ein.
  • Suche mit einer Hand die Öffnung des Afters.
  • Führe den Konus mit der anderen Hand in den After ein. Probiere aus, ob Du das besser von vorne zwischen den Beinen durch oder besser von hinten schaffst.
  • Halte den Konus jetzt gut fest und öffne die Wasserzufuhr. Es darf kein Wasser mehr herauslaufen. Wenn trotzdem Flüssigkeit neben dem Konus vorbeiläuft, drücke fester an.
  • Lass so viel Spülflüssigkeit einlaufen, bis Du im Bauch einen Druck spürst, aber höchstens ½ Liter pro Spülung!
  • Stelle jetzt die Flüssigkeitszufuhr ab. Halte aber den Konus noch fest, damit das Wasser im Darm den Stuhl lösen kann.
  • Nach 5-10 Sekunden nimm den Konus aus dem After. Jetzt wird sich Wasser mit Stuhl in die Toilette entleeren.
  • Wiederhole diesen Vorgang mehrmals, bis der Darm leer ist.Vielleicht musst Du Spülflüssigkeit nachfüllen: nehme dazu die vorbereiteten Flaschen und gib sie in den Behälter mit Spülflüssigkeit.
  • Bleibe nach dem letzten Spülgang noch 10-20 Minuten auf der Toilette sitzen.
  • In dieser Wartezeit kannst Du etwas tun, was Dir Spaß macht (Buch lesen, Musik hören, spielen, usw.). Lege dir vorher alles zurecht.
  • Kommt kein Darminhalt und Wasser mehr, wasche den Afterbereich mit einem (Einmal-) Waschlappen und warmem Wasser.
  • Ziehe die Handschuhe aus und wirf sie in den Abfallbehälter.

Diese Darmentleerung wiederholst Du am besten alle 2 Tage und immer abends.
„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ – hab Geduld mit Dir selbst! Übung macht den Meister. Versuche Schritt für Schritt es selbst zu lernen. Suche Dir dafür eine gute Zeit, zum Beispiel am Wochenende oder in den Ferien.

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