Ballaststoffreiche Kost bei Säuglingen und Kleinkindern

Ballaststoffe

sind die unverdaulichen Bestandteile (Lignin, Pentosane, Keratine, Zellulose) der Nahrung. Die Ballaststoffe sind erwünschte Bestandteile der ballaststoffreichen und kalorienarmen Ernährung. Ballaststoffe selbst sind kalorienfrei, d.h. sie haben keinen Nährwert. Die Ballaststoffe stellen, anders als ihr Name besagt, keinen “Ballast” dar, sondern eine wertvolle, natürliche Verdauungshilfe. Durch ihren Füll- und Aufsaugeffekt im Darm vergrößern sie die Stuhlmasse/den Darminhalt bei weich bleibender Konsistenz und erleichtern so den Stuhlgang. Sie beugen gleichzeitig einer Stuhlverstopfung (Obstipation) vor. Die Verwendung von Ballaststoffen sollte immer vor einer medikamentösen Behandlung soweit wie möglich ausprobiert werden.
Ballaststoffkonzentrate (z.B. Leinsamen, Weizenkleie) sollten immer nur der Nahrung beigemengt werden, d.h. nicht ausschließlich gegeben werden.

Prebiotische Ballaststoffe

enthalten unverdauliche Bestandteile der Nahrung, die das Wachstum gesundheitsfördernder
(Bifidus-) Bakterien im (End-) Darm (Kolon) fördern sollen.

Eine ballaststoffreiche (auch schlackenreiche) Kost besteht aus Nahrungsmitteln, die einen (unterschiedlich hohen) Anteil an pflanzlichen Bestandteilen enthalten. Fertignahrungsmittel enthalten oft Zucker oder Fett. Dieses ist bei Neigung zu Übergewicht zu beachten.

Bei (Neigung zu) chronischer Verstopfung und/oder Stuhlverhärtung soll deshalb möglichst viel schlackenreiche Kost gegeben und den Stuhl verhärtende Nahrung möglichst vermieden werden. Der tägliche Ballaststoffanteil der Nahrung kann mit dem Alter gesteigert werden (siehe unten).

Nicht selten jedoch stößt die Verwendung von Ballaststoffen an (geschmackliche) Grenzen. Für eine geregelte Verdauung sind

  • Getreideballaststoffe wirksamer als Ballaststoffe aus Obst und Gemüse
  • rohe Partikel wirksamer als gekochte
  • grobe Partikel wirksamer als feine.

 

Kostvorschläge

Bis zum 5.Lebensmonat sollte nach Möglichkeit ausschließlich gestillt werden. Bei Ernährung mit einer (teil)adaptierten Säuglingsmilch ist u.U. die Gabe von 1/2 – 1 Teelöffel Lactulose (in Pulverform) sinnvoll. (Lactulose immer mit etwa 50 ml Flüssigkeit pro Teelöffel vermischen)

ab 5. Lebensmonat:
+ Breimahlzeit
(zunächst Frühkarotten; nach Gewöhnen an den Löffel, Kartoffel- (und Fleisch)zusatz andere Gemüsearten je nach Saison und Verträglichkeit)
+ Obst

ab 6. Lebensmonat:
+ Getreide-Milch-Brei (z.B. mit 20 g Vollkornflocken)

ab 7. Lebensmonat:
+ milchfreier Getreide-Obst-Brei  (z.B. mit 20 g Vollkornflocken)

ab 9. Lebensmonat:
+ Rohkost 

  • Beim Gemüse nur die halbe Portion garen, die andere Hälfte als Rohkost untermengen.
  • Beim Getreidebrei Frischkorn untermischen. (1 schwach gehäuften EL Weizen fein mahlen, ca. 1 Std. in wenig Wasser einweichen, mit dem fertig zubereiteten Vollkornflocken Brei vermischen)
    Der Anteil gekochter Brei: Frischkorn kann langsam bis zum Verhältnis 1:2 gesteigert werden.

Ballaststoffreiche Kost sollte stets stufenweise aufgebaut bzw. umgestellt werden!
Bei Verdauungsbeschwerden immer eine Stufe zurückgehen und nach etwa einer Woche noch einmal versuchen. 

gegen Ende des 1. Lebensjahres:     

+ Vollkornbrot, zunächst fein ausgemahlen, nach und nach auf gröberes Material übergehen
Vollkornprodukte (Nudeln, Reis etc.)
Frischkornanteil beim Brei nach und nach etwas grober ausmahlen (je grober das Korn, umso länger muss die Einweichzeit sein!)

TIPPS:

  • Statt Haferflocken öfter Weizenflocken verwenden (höherer Ballaststoffgehalt!)
    20g Haferflocken enthalten ca. 1,1 g Ballaststoffe
    20g Weizenflocken enthalten ca. 2,3 g Ballaststoffe
    NICHT VOR DEM 6. LEBENSMONAT !
  • Zwischendurch statt Kekse oder Zwieback besser Knäckebrot (höherer Ballaststoffgehalt!)
  • Als Obstzusatz Birnen und Beerenfrüchte bevorzugen falls verträglich (enthalten mehr unlösliche Ballaststoffe als z.B. Äpfel)

Ab dem 2. Lebensjahr ist bei Abneigung gegen Vollkornprodukte eine Erhöhung der Ballaststoffzufuhr über die Anreicherung „normaler” Nahrungsmittel mit Ballaststoff- Konzentraten möglich.

Auch diese Kostform ist langsam aufzubauen, um subjektive Beeinträchtigungen (Blähungen, Völlegefühl) zu vermeiden. Die darmwirksame Ballaststoff-Dosis muss individuell ermittelt werden! (evtl. zusätzlich bis 3×10 ml Lactulose in möglichst viel Flüssigkeit pro Tag)

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