Aufrichtung einer Skoliose mit Versteifung (Spondylodese)

Definition

Bei der operativen Aufrichtung einer stärkeren Abweichung der Wirbelsäule zur Seite ( = Skoliose) werden Metallstäbe an den Wirbelkörpern befestigt. Die Zahl der Wirbelkörper, d.h. die Strecke, die stabilisiert werden muss, kann unterschiedlich lang sein; sie wird jedoch vor der Operation festgelegt.

Wann wird eine Spondylodese erforderlich (Indikationen zur Spondylodese)?

  • bei Verlust bzw. drohendem Verlust der Sitzfähigkeit
  • Druckgeschwüre (Dekubiti) am Gesäß durch Fehlbelastungen bei Sitzen, am Rücken

Zeitpunkt

Weil die stabilisierte Strecke nicht mehr weiter wachsen kann, sollte das Wachstum möglichst weitgehend abgeschlossen sein (Maßnahmen: vgl. Vorbereitungen). Der optimale Zeitpunkt muss individuell festgelegt werden, sollte jedoch erfolgen, bevor die Fehlstellungen fixiert sind.

Voraussetzungen

  1. Die Ursache der Skoliose muss abgeklärt sein (vgl. >> Skoliose bei Spina bifida).
  2. Eine neurochirurgische Stellungnahme ist erforderlich zu den Fragestellungen:
  • sind vor der Aufrichtung neurochirurgische Maßnahmen (z.B. Lösung von
    Verwachsungen des Rückenmarkes im Bereich der Spaltbildung (Myelolyse) oder eine kraniospinale Dekompression erforderlich?
  • ist die Hirnwasserableitung intakt und ausreichend lang

Vorteile

  • Stabilisierung der Wirbelsäule
  • Aufrichtung der Skoliose
  • Verbesserung der Lungenkapazität

Nachteile

Nach Einsetzen des stabilisierenden Metalls

  • ist die Beweglichkeit der Wirbelsäule eingeschränkt. Hierdurch können die regelmäßigen Verrichtungen des täglichen Lebens eingeschränkt sein (vgl. Vorbereitungen und Nachsorge)
  • sind in dem stabilisierten Bereich keine kernspintomographischen Untersuchungen mehr möglich.

Operationsvorbereitungen

Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule von vorne und der Seite im Sitzen und Liegen mit Stellungnahme

  • zum Ausmaß der Skoliose (COBB-Winkel)
  • zum Ausmaß der Drehung (Torsion) der Wirbelsäule
  • zu Wirbelveränderungen (bei Wirbelfehlbildungen ist ergänzend evtl. ein 3-D-CT erforderlich)
  • Verwachsungen der Rippen

Weitere Untersuchungen

  • Zur Beurteilung des noch zu erwartenden Wachstums, wäre die noch bestehende Wachstumsreserve durch eine Röntgenaufnahme der linken Hand zu bestimmen
  • Kernspintomographische Untersuchung zur Klärung der (Mit-) Ursache(n) der Skoliose und zu möglichen Auswirkungen der Wirbelsäulenaufrichtung  auf das Rückenmark
  • Untersuchung der Lungenfunktion  mit Bestimmung der Vitalkapazität, des Atemstoßes Atemlangzeitmessung zur Bestimmung von Atempausen, Sauerstoffentsättigungen
  • Neurochirurgische Untersuchung mit Stellungnahme zu möglichen Auswirkungen der Aufrichtung auf das Rückenmark und den kraniospinalen Übergang sowie auf die Funktion einer der Hirnwasserableitung
  • Urologische Stellungnahme zum Lähmungstyp der Harnblase und zu möglichen Auswirkungen der Aufrichtung auf die Harnblase, zur urologischen Sofortversorgung nach der Operation und zu Kontrollmaßnahmen nach der Operation
  • Krankengymnastische Maßnahmen:  Vor der Operation: Möglichst guter konditioneller Aufbau. Maßnahmen, die nach der Operation erforderlich sind
  • Stellungnahme zur Hilfsmittelversorgung: Überprüfung der derzeit getragenen Orthesen: passen die Orthesen noch, ist nach der Operation eine ergänzende oder   neue Versorgung erforderlich? Einleitung von Maßnahmen zur postoperativen Hilfsmittelversorgung
  • Blutuntersuchungen: Blutbild, Leber- Nierenwerte. Bestimmung der Blutgruppe
  • Allergien: Aktualisierung der Latexallergie
  • Impfungen: 6 Wochen vor der Operation sollen keine Impfungen erfolgen

Mögliche Komplikationen

Vorübergehende Änderung des Lähmungstyps der Harnblase mit Urininfektionen

Operation

Während der Operation werden Bluttransfusionen erforderlich sein.
Der Eingriff erfolgt latexfrei.
Die Operationsdauer beträgt  ca. 3-4 Stunden, auch länger.

Dauer des stationären Aufenthaltes

Zur Vorbereitung der Operation werden ca. 4 (Arbeits-, also etwa eine Woche) Tage benötigt: Nach der Operation ist in der Regel ein dreiwöchiger stationärer Aufenthalt (d.h. Bettlägerigkeit) erforderlich.
Danach ist die Sitzfähigkeit beeinträchtigt.

Dauer der Arbeitsunfähigkeit / der Schulausfälle

Man kann im Allgemeinen von einer 2-3-monatigen Arbeitsunfähigkeit ausgehen, die sich zusammensetzt aus:

  • 1 Woche Vorbereitung
  • 3 Wochen postoperativer stationärer Aufenthalt
  • 6-8 Wochen bis zum Wiedererreichen der vor der Operation bestehenden körperlichen Kondition.

Maßnahmen nach der Operation

Neurologie

Neurologischer Status unmittelbar und 6 Wochen nach der Operation zur Definition der krankengymnastischen und hilfsmitteltechnischen Versorgung.

Urologie

Durch die operativen Maßnahmen kann sich der Lähmungstyp der Harnblase (meist vorübergehend) stark im Sinne einer hypertonen Blase verändern. Hierdurch kann eine akute Druckschädigung im Bereich der Harnwege (Blase, Harnleiter, Nieren) in Verbindung mit einer schwerwiegenden Infektion entstehen. Folgenden Maßnahmen sind angezeigt:

  • Regelmäßige Urinüberwachung (Teststäbchen, Nährböden) im Abstand von 2 Tagen
  • Bei Dauerkatheter: antibiotische Dauerbehandlung
  • Wiederholung der Blasendruckmessung, sobald eine Transportfähigkeit besteht; hiernach Neudefinition des urologischen Gesamtplanes

Krankengymnastik

  • Regelmäßiger Gelenkstatus und ggf. frühzeitige  Kontrakturprophylaxe in Verbindung mit  Lagerungshilfsmitteln
  • Frühzeitige Mobilisierung im Bett
  • Frühzeitige Überprüfung des Hilfsmittelkonzepts (Orthesen, Rollstuhl…) und Einleitung der evtl. notwendigen Hilfsmittelversorgung
  • Realisierung des Sitzens nach frühestens 6 Wochen
  • Sobald wie möglich: Aufrichtung zur frühzeitigen Abschwächung der Inaktivitätsosteoporose und Frakturneigung
  • Steh- und Gehschulung im Rahmen der neurologischen Möglichkeiten

Ergotherapie

  • Postoperativer ergotherapeutischer Status
  • Ergänzende Versorgung mit neuen Hilfsmitteln zur Ermöglichung bzw. zum Training der Verrichtungen des täglichen Lebens (vgl. Hilfsmittelverzeichnis)

Überwachung

Häufigkeit und Art der orthopädischen Überwachung wird sich nicht wesentlich verändern.
An speziellen Überwachungsmaßnahmen sind erforderlich:

  • Ultraschalluntersuchungen der Nieren, der Nierenbecken und der Harnleiter
    zum Ausschluss einer Abflussbehinderung von Urin aus den Nieren
  • Für einige Wochen ist eine regelmäßige Blutuntersuchung zur Überwachung des Säure-Basen-Haushaltes erforderlich und ggf. zu therapieren.

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