Alpha-Fetoprotein (AFP) im mütterlichen Blut

Alpha-Fetoprotein

Das Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein Einweiß, das vom Kind während der Schwangerschaft gebildet wird.

Triple-Test

Der Triple-Test ist als Screening-Test für das DOWN-Syndrom gebräuchlich. Ein Bestandteil des Triple-Tests ist die Bestimmung des AFP, das z.B. bei einer offenen Knochenspalte (weitere Möglichkeiten: vgl Übersicht ) erhöht sein kann. Die Untersuchung erfolgt in der 16. Schwangerschaftswoche im mütterlichen Blut.

Bewertung der Methode

Mit der Untersuchung auf Alpha-Fetoprotein im Serum der Mutter steht ein chemisches Nachweisverfahren zur Verfügung, das in Bezug auf die Erkennung von Feten mit Spina bifida aperta eine Genauigkeit (Sensitivität) von ca. 70 Prozent und eine Sicherheit (Spezifität) von rund 98 Prozent aufweist.

Es kann als erwiesen angesehen werden, dass die Aussagekraft einer AFP-Untersuchung in hohem Maße abhängig ist von der richtigen Bestimmung des tatsächlichen Alters der Schwangerschaft sowie von der exakten AFP-Bestimmung im Labor in entsprechend ausgestatteten und spezialisierten Laboratorien. Angesichts der häufig bestehenden Unsicherheit hinsichtlich des Alters der Schwangerschaft und der Durchführung der AFP-Untersuchungen in nicht spezialisierten Einrichtungen ist zu befürchten, dass unter Screening-Bedingungen mehr als 12.000 falsch positive Testergebnisse erhoben werden könnten. Aus den genannten Gründen wurde in der Vergangenheit von der Einführung eines generellen AFP-Screenings auf Spine bifida und ähnliche Erkrankungen abgesehen. Die Ultraschalldiagnostik vor der Geburt übertrifft bei weitem die Aussagefähigkeit der AFP-Untersuchung im mütterlichen Serum.

Falsch positive Befunde und die Folgen

Aufgrund des Vorkommens der Spina bifida aperta in der Bundesrepublik von rund 1 Promille aller Schwangerschaften und einer Spezifität des AFP-Tests von lediglich 98 Prozent, müsste aufgrund eines generellen AFP-Screenings mit jährlich rund 12.000 falsch positiven Ergebnissen gerechnet werden. Der daraus ergebende Vorhersagewert von ca. 3 Prozent bedeutet, dass von 100 Verdachtsfällen aufgrund eines positiven Testergebnisses im AFP-Screening nur drei Schwangere im Rahmen der weiterführenden Diagnostik tatsächlich die Gewissheit über ein fehlgebildetes Kind erhalten, während demgegenüber 97 Schwangere zunächst unnötigerweise verunsichert würden. Ferner ist davon auszugehen, dass bei einem großen Teil der 12.000 Schwangeren mit falsch positivem Testergebnis eine Amniozentese durchgeführt würde. Dies beinhaltet, neben der körperlichen Belastung für die Schwangeren, die fast 1 %ige Gefahr eines durch die Amniozentese herbeigeführten Schwangerschaftsabbruches aufgrund eines falsch positiven AFP-Testergebnisses.

Indikationen zur AFP-Bestimmung

Eine AFP-Blutuntersuchung wird veranlasst bei a) Verdacht auf àTrisomie 21, b) Verdacht / Hinweis auf eine offene Knochenspalte der Wirbelsäule und/oder des Schädels.

Untersuchungsmaterial

0,5 ml Serum. Genaue Schwangerschaftswoche bzw. Verdachtsdiagnose ist anzugeben. Normalwerte für AFP im Serum: Erwachsene: 15 à IE/ml; à Graubereich: 15 – 20 IE/ml; bei Geburt: 33000 – 100000 IE/ml. Nach 4 – 6 Lebenswochen werden die Werte der Erwachsenen erreicht [50] .

Tabelle 1: AFP-Werte während der Schwangerschaft

(Internationale Einheiten [E]):

16. SSW: 25,6 – 64,0 IE/m

17. SSW: 28,2 – 70,5 IE/ml

18. SSW: 33,4 – 83,5 IE/ml

19. SSW: 40,3 – 101 IE/ml

20. SSW: 43,7 – 109 IE/ml

21. SSW: 46,0 – 115 IE/ml

Der erste Wert in Tabelle 1 stellt den Mittelwert dar, der zweite Wert das 2,5-fache des Mittelwertes. Bei Werten oberhalb des 2- bis 2,5-fachen Mittelwertes ist eine engmaschige Kontrolle angezeigt und eine Ultraschalluntersuchung (DEGUM-Stufe II oder III) zu überlegen.

Tabelle 2: Weitere Orientierungswerte für AFP ab 22. SSW (Internationale Einheiten [IE]):

SSW: Mittelwert / 2,5-facher Mittelwert

———————————————————

22./23.: 60 / 150

24./25.: 82 / 205

26.: 85 / 213

27.: 131 / 328

28.: 147 / 368

29.: 139 / 348

30.: 141 / 353

31.: 129 / 323

32.: 106 / 265

33.: 181 / 453

34.: 150 / 375

35.: 112 / 280

36.: 88 / 220

37.: 115 / 288

38.: 96 / 240

39.: 86 / 215

40.: 44 / 110

41.: 51 / 128

Aussagen / Bemerkungen

Werte oberhalb des 3-fachen Medians sind verdächtig auf eine offene Spina bifida. AFP ist jedoch auch erhöht bei den in Tabelle 3 genannten Krankheitsbildern.

Tabelle 3: Krankheitsbilder mit erhöhtem AFP-Wert (Verdacht: AFP über 2,5-fachem Mittelwert):

  • Offene Spina bifida beim Kind (nicht erhöht bei gedeckten Formen der Spina bifida)

  • Offene Knochenspalte des Kopfes mit Fehlanlage des Großhirns (Anenzephalus)

  • Absterben eines Zwillings

  • Absterben des Kindes in der Gebärmutter

  • Knochenspalte mit Ausstülpung von Gehirnanteilen (Enzephalozele)

  • Nabelschnurbruch (Omphalozele) und Dottersack-Tumore

  • Fehlanlage (vollständiger Verschluss) der Speiseröhre (Ösophagusatresie)

  • Bauchdeckenspalte im Bereich der Harnblase (Harnblasenexstrophie)

  • Nierenzysten, Enzephalozele, zusätzliche Finger, weitere Fehlbildungen (Meckel-Gruber-Syndrom)

  • Fehlende Anlage der Bauchdecken, u.a. Fehlbildungen (Prune Belly-Sequenz)

  • Fehlbildung der Lunge (Zystadenoide Lungendysplasie)

  • Lebernekrose

  • Leberzell-Carcinom

  • Steißbeinteratom und embryonale Carcinome (je nach Anteil entodermaler Strukturen)

Bewertungen

Erniedrigt wird AFP gefunden:

  • bei 21% der Kinder mit DOWN-Syndrom

  • bei Diabetikerinnen

  • bei 3,7 % aller „normal verlaufenden“ Schwangerschaften

Falsch positive“ AFP-Erhöhung:

  • Falsche Berechnung der Schwangerschaftswoche

  • Lösung der Plazenta

  • Absterbendes Kind im Uterus

  • Abgestorbenes Kind im Uterus

  • Zwillingsschwangerschaft

  • Beimengungen von kindlichem Blut im Fruchtwasser

  • Übertragung von kindlichem Blut auf die Mutter (fetomaternale Transfusion)

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